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Full text of "T. Nöldeke, Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden aus der arabischen Chronik des Tabari: Übersetzt und mit ausführlichen Erläuterungen und ergänzungen Versehn"

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GESCHICHTE DER PERSER UND ARABER 

ZUR ZEIT DER SASANIDEN. • 



AUS DER ARABISCHEN CHRONIK DES 



TABARI 



ÜBERSETZT UND MIT AUSFÜHRLICHEN ERLÄUTERUN- 
GEN UND ERGÄNZUNGEN VERSEHN 



VON 

T?. NÖLDEKE. 



LEYDEN, E. J. BR.ILL. 
1879. 



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MEINEM TH EUREN FREUNDE 



W. WRIGHT 

IN CAMBRIDGE 



gewidmet. 



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VORREDE. 



Meine Absicht war ursprünglich nur, die Abschnitte Tabari’s 
zu übersetzen, welche die Säsanidengeschichte nach alten per- 
sischen Quellen geben. Aber bald zeigte sich, dass dies schwer 
auszuführen und unzweckmassig sein würde. Mit jenen Ab- 
schnitten sind jetzt schon einige Stücke andrer Herkunft ver- 
webt z. B. das aus dem syrischen Julianus-Romane stammende* 
Die Schlacht von Dhü Qär mit den ihr vorhergehnden Ereig- 
nissen, obgleich von Arabern in echt arabischer Weise erzählt, 
ist für die Geschichte des persischen Reichs zu bedeutsam, als 
dass ich sie weglassen durfte. Dann konnte aber auch die knapp 
erzählte Geschichte der Könige von Hira nicht fehlen. Ferner 
gehört die Eroberung von Jemen durch die Perser, eine Episode 
aus dem langen Ringen zwischen Rom und Persien, gleichfalls 
hierher, und also auch die Vorbereitung dazu, die Einnahme 
und Beherrschung Jemen’s durch die Abessinier, die ja eben- 
falls für* das Verhältniss Roms zu Persien von Bedeutung und 
dabei an sich nicht minder wichtig ist. So habe ich denn 
schliesslich den ganzen Theil Tabari’s übersetzt, dessen Heraus- 
gabe mir als Mitarbeiter an der Gesammtausgabe des arabischen 
Textes zugewiesen ist, mit Ausnahme des Berichts über die 
Geburt und Jugend des Propheten, welcher nicht in diesen Zu- 
sammenhang gehört, und einiger ganz nichtsnutziger Erzählun- 
gen aus der Vorgeschichte Jemen’s. 

Meine Anmerkungen bezwecken zunächst, die nöthigen Er- 
läuterungen zu geben. Darunter ist manches , was der Orien- 
talist entbehren kann; ich habe eben auch an Nichtorientalis- 
ten als Leser gedacht. Ich hoffe nämlich, einige Freunde der 
Geschichte des Alterthums und des Mittelalters werden es mir 



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VI 



danken, dass ich ihnen hier einen Einblick in die Verhältnisse 
eines der wichtigsten morgenländischen Reiche und deren Auf- 
fassung durch orientalische Tradition verschaffe. Dazu sollen 
aber namentlich auch die Ergänzungen aus sonstigen orien- 
talischen Quellen dienen , welche ich in den Anmerkungen und 
den Excursen gebe. Ich habe dazu besonders andere arabische 
und neupersische Schriften benutzt, aber auch die syrische Li- 
teratur, die von den meisten Orientalisten nicht genügend be- 
achtet wird, gab mir viel Ausbeute; jüdische Quellen sind gleich- 
falls mit Nutzen herangezogen. Die armenischen Schriftsteller 
konnte ich leider nur in Uebersetzungen benutzten , die durch- 
aus nicht alle den Eindruck grösster Zuverlässigkeit machen. 
Ein Kenner des Armenischen wird noch vieles nachzutragen 
finden. Grossen Eifer habe ich darauf verwandt, mich mit der 
einschlägigen lateinischen und griechischen Literatur vertraut zu 
machen. Auch hier sei dem Wunsch Ausdruck geliehen, dass 
endlich einmal von allen älteren Byzantinern brauchbare Aus- 
gaben erscheinen mögen! Auch die moderne Reiseliteratur von 
dem trefflichen Pietro della Valle an bis auf Pollack habe ich 
sehr stark benutzt, viel stärker, als es äusserlich erscheint. Ich 
glaube diesen Werken eine gewisse Bekanntschaft mit Land 
und Leuten im Allgemeinen zu verdanken, welche mir die rich- 
tige Beurtheilung von Personen und Vorgängen auch in der 
älteren Geschichte erleichtert hat. Aus Morrier’s Haji Baba 
kann man auch für das alte Persien sehr viel lernen ! Natür- 
lich muss man sich aber auch der grossen Unterschiede zwi- 
schen damals und jetzt stets bewusst bleiben. 

Ich habe das von der arabischen Tradition Gebotne durch- 
weg einer historischen Beurtheilung unterzogen. Auch die dort 
gegebne Schilderung des Characters der einzelnen Könige habe 
ich, so. weit ich dazu in Stande zu sein glaubte, näher ge- 
prüft. Dazu waren mir von besonderem Nutzen die Nachrich- 
ten über das Verhältnis« mancher dieser Fürsten zu ihren christ- 
lichen und jüdischen Unterthanen. Ich habe mich bemüht, auch 
das gegenseitige Verhältnis der verschieden, hier in Frage 
kommenden Religionen mit voller Berücksichtigung von Ort 
und Zeit zu beurtheilen. Specielle Vorliebe habe ich für keine 
dieser fanatischen und verfolgungssüchtigen religiösen Parteien : 
ich glaube eben auch das echte orientalische Christenthum eini- 



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VII 



germaassen aus den Quellen zu kennen. Meine Sympathie gilt 
bloss der in jener Periode nur selten unverhüllt erscheinenden 
wahren Humanität und dem damals selbst in Europa immer 
vollständiger erlöschenden Hellenismus. 

So viel in den letzten Jahrzehnten auch für einzelne Seiten 
der Geschichte des Säsänidischen Persiens geschehn ist z. B. für 
Münzwesen und Religion, so hat doch die Gesammtgeschichte 
des Landes in dieser Periode seit Saint-Martin’s Anmerkungen 
zu Lebeau’s grossem Werke keine besondere Förderung erfahren. 
Ich hoffe, man wird anerkennen, dass in der Mittheilung die- 
ser ältesten ausführlichen Darstellung, welche uns erhalten ist, 
eine solche Förderung liegt und dass auch, was ich hinzufüge, 
dazu beitragen kann, die Kenntnis von jenem merkwürdigen 
Reiche zu mehren. 

Ich hätte die Anmerkungen und Excurse leicht noch bedeu- 
tend ausdehnen können; hoffentlich habe ich hier aber umsich- 
tigen Lesern nicht schon in mancher Hinsicht zu viel gethan. 
Absichtlich habe ich sprachliche Bemerkungen sehr zurücktreten 
lassen; fast nur der Fixierung der wahren Namen der Könige 
habe ich etwas mehr Raum gewidmet. Ich konnte aber auch 
schon hierfür wie für manches andere zum Theil hinweisen auf 
meine Erläuterungen zur Uebersetzung des Kärnämak (»Ge- 
schichte des Artach&iri Päpakän aus dem Pehlewi übersetzt .... 
von Th. Nöldeke, Separat- Abdruck aus der Festschrift zum 
fünzigjährigen Doctoijubiläum des Herrn Prof. Benfey; Beiträge 
zur Kunde d. Indog. Sprachen IV. Bd. Göttingen 1879). Bei 
den Excursen bitte ich zu beachten, dass der dritte heisst „Ei- 
niges über die inneren Verhältnisse des Säsanidenreichs”, nicht 
»Die inneren Verhältnisse” oder „Die Verfassung”. 

In Kleinigkeiten bin ich zum Theil über meine nächste Vor- 
lage hinausgegangen und habe an wenigen Stellen einen ur- 
sprünglicheren Text übersetzt als den des Tabari ; natürlich habe 
ich das jedesmal ausdrücklich angegeben. In einem Puncte 
habe ich aber durchweg weiter gegriffen. Ich habe die persi- 
schen Personen und Ortsnamen nicht in den theilweise arg ent- 
stellten arabischen, sondern in den persischen Formen gegeben. 
In solchen hatten sie ja die Pehlewi-Quellen enthalten, auf 
welche diese arabischen Berichte zum grossen Theil zurückgehn. 
Der Gleichmässigkeit wegen musste ich sie dann auch so in den 



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viii 



ursprünglich arabischen Stücken schreiben. Aehnüch bin ich, 
jedoch nicht ganz consequent , mit den aramaischen Namen 
yerfahren. Freilich konnte ich die persischen Formen nicht so 
geben, wie sie voraussetzlich nach der Pehlewi-Orthographie zu 
schreiben waren ; sie hatten dann ein yiel altertümlicheres An- 
sehn bekommen als die zur Zeit der betreffenden Personen wirk- 
lich üblichen Lautformen. Im Allgemeinen habe ich, da ich 
hier Gleichmässigkeit schaffen musste, die Namen so zu schrei- 
ben gesucht, wie sie auf der ältesten Stufe des Neupersischen 
lauteten. So ungefähr muss auch die wirkliche Aussprache der 
letzten Jahrhunderte der Sasanidenzeit gewesen sein. Ist die yon 
mir für Personen der älteren Periode gegebne Namensform hie 
und da yielleicht ein wenig zu jung, so ist sie doch immer 
echt persisch. Wir können den Sohn Karl’s des Grossen wohl 
»Ludwig” nennen statt »Hluodwic” oder drgl., aber nicht in 
romanischer Form »Louis”: so ist’s aber, wenn man von den 
Säsäniden die arabischen Formen gebraucht. Im Einzelnen ist es 
hier freilich schwer das Princip durchzuführen. Ueber das 
eigentliche Neupersische bin ich in dem Puncte hinausgegangen, 
dass ich anlautendes sp, st , sr und fra beibehalten habe. Für 
A dharbäigän hätte ich eigentlich das ältere Ädharbddhgän gebrau- 
chen sollen. In der Wiedergabe des inlautenden kurzen Vo- 
cals, welcher im Neupersischen metrisch noch zählt, aber durch 
Sukün bezeichnet wird, schwanke ich zwischen a, e und Vo- 
callosigkeit: Ardo&r , Jazdegerd , Jazdpandh. Auch in anderen 
Kleinigkeiten wie bei u und o, a und e bin ich in persischen 
und arabischen Namen nicht immer ganz consequent geblieben. 
Im Ganzen ziehe ich e in persischen Wörtern da vor, wo die 
einheimische Ueberlieferung zwischen der Bezeichnung durch a 
und i schwankt oder die Transcription Fremder ein e zeigt. 
Streng geschieden habe ich persisches 6 , ö von ü , t , womit 
sie die übliche Aussprache der heutigen Perser zusammenwirft. 
Nur in dem noch jetzt in voller Geltung befindlichen Landes- 
namen Iran habe ich die heutige Aussprache beibehalten. Für 
TÜ8, wie ich geschrieben habe, scheint die Aussprache T6s 
richtiger zu sein. Auch die jetzt nicht mehr gehörte Apiration 
des d nach einem Vocal habe ich regelmässig bezeichnet Bei 
persischen Wörtern konnten durch das Zurückgehn auf die ur- 
sprünglichen Formen die emphatischen Laute des arabischen Al- 



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öt 



phabets entbehrt werden; in arabischen habe ich sie folgender- 
maassen bezeignet : 

* = f — t = Jö, d = yi, z = Jb, y = (J; der 

Nichtorientalist möge die Laute nur einfach sprechen , als stände 
kein Punct darunter und als stände k für q. Ferner setze ich: 
l — (tsch; engl, ch; ital. c in cercar). 

$ = (engL j,; ital. g in girar; deutsch annähernd dsch). 

1 ; = ) (franz. j in je). 

} = ji ( sch ; engl, sh; franz. ch; ital. sc in scelto). 
z = ) (immer weich wie franz. und holländ. *, und engl, 
franz. und ital. s zwischen zwei Yocalen \peasant ; 
causer; co«a], wie auch wenigstens die meisten Deut- 
schen s z. 6. in Rasen sprechen). 
th =: & (wie engl, th in thunder , both). 
dh = & (wie engl, th in thus, other ). 

gh = £ (ein harter Kehlhauch wie ein gutturales r, ähnlich 
holländischem g; der Nichtorientalist mag g sprechen). 
bh = aspiriertem syrischem ä (ungefähr wie deutsch w, 
engl. ü). 

ch = ^ (ein sehr hartes ch , etwa wie es die Schweizer sprechen). 

‘ = g (ein leiser Guttural, den der Nichtorientalist ignorie- 
ren mag). 

Von den Abkürzungen, die ich angewandt habe, bedürfen 
folgende der Erklärung: 

Agh. = Kitab al Aghani (Bulaqer Ausgabe)* 
b . in arabischen Namen = ihn d. i. »Sohn”. 

Bark. = Barhebraeus. 



Chord . = Ibn Chordädhbeh (Journal asiat. 1865, I). 

Din. = Abü Hanifa Dinawari , Chronik (St-Petersburger 
Handschrift). 

Eut. = Eutychii Annales, Oxonii 1658. 

Fird. — Firdausi (Citate nach Macan’s Ausgabe). 

Jaq. = Jäqüt’s geographisches Wörterbuch (ed. Wüstenfeld). 
j. as. — Journal asiatique. 

Ist . = Istachri (de Goeje, Bibliotheca geogr. I). 

Mart. = Acta s. martyrum orientalium et occidentalium (ed. 

St. Et. Assemanus) Eomae 1748. 

Mas . = Mas 4 üdt, Goldwiesen (ed. Barbier de Meynard). 



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* 



MqcL = Moqaddasi (de Goeje, Bibliotheca geogr. III). 

Spr. — Cod. Sprenger 30 (Berliner Handschrift). 

lab . = Tabari. 

Qot. = Ibn Qotaiba , Handbuch (ed. Wüstenfeld). 

Z D M G = Zeitschrift der deutschen morgenländischen Ge- 
sellschaft. 

Beim Gebrauch bitte ich dringend die »Nach trage und 
Berichtigungen” zu berücksichtigen. 

Bei der Abfassung dieser Arbeit habe ich vielfache Unter- 
stützung gefunden. Zunächst habe ich hier zu nennen die Ver- 
waltungen der Bibliotheken in Leyden, Paris und Tübingen, 
deren Taban-Handschriften ich hier in Strassburg habe be- 
nutzen können. Aus der Leydner Bibliothek sind mir ausser- 
dem noch andere werthvolle Handschriften zur Benutzung für 
die Textausgabe wie für diese Arbeit gesandt; desgleichen aus 
der Gothaer und Berliner Bibliothek. Herr Baron v. Rosen 
schickte mir den Theil seiner Abschrift von Dinawari’s Chronik, 
welcher die Säsänidengeschichte enthält, und machte mir au- 
sserdem belangreiche Auszüge aus anderen arabischen Handschrif- 
ten. Meinem Freund de Goeje verdanke ich die Abschrift von 
Ja‘qübi*s kurzer Geschichte der Säsäniden. Für andere Mit- 
theilungen aus Handschriften bin ich Hrn. Dr. Aumer in Mün- 
chen und Prof. Thorbecke in Heidelberg verpflichtet. Mit Letz- 
terem und mit Pertsch in Gotha habe ich über verschiedene 
einzelne Stellen verhandelt. Besonders erfreuten mich durch 
thatsächliche Mittheilungen und zweckmässigen Rath G. Hoflf- 
mann in Kiel und A. v. Gutschmid in Tübingen. Allen den 
genannten Gelehrten und Bibliotheksverwaltungen spreche ich 
hiemit meine aufrichtige Erkenntlichkeit aus. 

Für die Anfertigung des Index bin ich Hrn. Stud. Snouck 
Hurgronje in Leyden , einem hoffnungsvollen Schüler de Goeje’s , 
"zu lebhaftem Dank verpflichtet. 

Der Text, den ich hier übersetzt habe, wird aller Berech- 
nung nach in etwa einem Jahre als ein Stück der Gesammt- 
ausgabe Tabari’s erschienen sein. 



Sb, Assburg im Eisass 
den 25. August 1879. 



Th. Nöldeke. 



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INHALT, 



EINLEITUNG S. xm 

TABARI’S GESCHICHTE DER SASANIDEN 1 

EXCURSE. 1) Chronologie der Säsäniden 399 

Anhang A. Chronol. .Tafel 435 

Anhang B. Tafel der persischen Neujahrstage. . 436 

2) Stammtafel der Säsäniden 436a 

3) Einiges über die inneren Verhältnisse des Säsä- 

nidenreichs 437 

4) Ueber Mazdak und die Mazdakiten 455 

5) Empörung des AnöSazädh 467 

6) Ueber den Roman von Bahräm Ööbtn .... 475 

7) Empörung des Bistäm 478 

INDEX 489 

NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN 500 



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EINLEITUNG 



Abü Ga‘far Muhammed b. Öarir , geboren im Herbst 839 zu Amul 
unweit des kaspischen Meers in der persischen Provinz Tabaristän , daher 
Tabart genannt, gestorben zu Baghdäd am 17. Februar 923, schrieb 
viele, zum Theil sehr grosse, Werke in arabischer Sprache, darunter 
auch eine äuseerst umfangreiche Chronik, welche von der Schöpfung 
bis gegen sein Lebensende hinreicht. Tabarf, der sich hauptsächlich 
mit der theologischen Ueberlieferung befasste, war kein Mann der 
eignen Forschung oder gar der historischen Kritik auch nur in dem 
Sinne, wie sie von einigen anderen persischen Gelehrten in jenen Jahr- 
hunderten geübt wurde. Seine Chronik ist eine mit ausserordentlichem 
Fleiss aus einem reichen Material zusammengeschriebne Compilation, 
welche die von einander abweichenden Darstellungen der Quellen nicht 
verarbeitet, sondern neben einander aufführt. Aber eben dieser Umstand 
erhöht für uns den Werth des Werkes noch erheblich; denn auf diese 
Weise sind uns die älteren Berichte selbst viel treuer erhalten, als 
wenn der Chronist sich mehr bemüht hätte, sie mit einander auszu- 
gleichen. 

Der Hauptwerth von Tabari’s Chronik besteht in der höchst ausführ- 
lichen Darstellung der isl&mischen Geschichte vom ersten Auftreten des 
Propheten an; kein anderes arabisches Werk kann sich in dieser Hin- 
sicht ihm zur Seite stellen. Die vorislämische Geschichte mag nur etwa 
den zwanzigsten Theil des Ganzen umfassen und giebt sehr vieles, das 
wir gern entbehren würden. Von bedeutendem Werth ist aber der darin 
enthaltene, ziemlich ausführliche Abschnitt über die Geschichte der 
8äsäniden und ihrer Zeit, dessen deutsche Uebersetzung den Text dieses 
meines Buches bildet. Denn dieser Abschnitt geht zum Theil auf gute 
arabische Ueberlieferung, zum grösseren Theil, wenigstens mittelbar, 



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XIV 



auf sehr wichtige ältere persische Quellen zurück. Einen gleichen Ur- 
sprung haben aber auch die in den früheren Abschnitten Tabari’s zer- 
streut vorkommenden Angaben aus den mythischen und geschichtlichen 
Ueberlieferungen der Perser. Wird die Quellenkritik hier einerseits 
dadurch sehr erleichtert, dass diese Orientalen, auch wo sie excerpieren, 
doch die Ausdrücke ihrer Vorlagen möglichst beizubehalten lieben so 
wird sie auf der anderen Seite wieder dadurch erschwert, dass Tabari 
seine nächsten Quellen nicht nennt. Nur bei Nachrichten von theologi- 
schem Interesse — wozu allerdings die ganze Jugendgeschichte des 
Isläm’B gehört — geht er auf Genauigkeit der Quellenangabe aus 1); 
sonst führt er höchstens eine alte, nur mittelbar auf ihn gekommene, 
Autorität an, und meist nicht einmal eine solche. Vollends in der per- 
sischen Geschichte nennt er nie einen Gewährsmann mit Ausnahme des 
hier und da citierten HiSäm (s. unten S. XXVII), der nun einmal auf 
anderen Gebieten der Ueberlieferung eine anerkannte Autorität war. 

Die persische Geschichte von den ersten mythischen Königen an bis 
zu den letzten Säsaniden zeigt im Tabari wie in den verwandten ara- 
bischen Werken eine gewisse Gleichheit der Auffassung und Darstellung, 
welche sofort zu der Annahme eines einheitlichen Grundwerks wenigstens 
für sehr grosse Partien führt. Nun hat aber auch das §ähnäme des 
grossen Dichters Firdausi (f 1020) , ein Nationalepos , wie es in der 
Weise kein andres Volk besitzt, während es einerseits, auch abgesehen 
von der freien Thätigkeit des Dichters, gar manches bietet, was sich 
bei den Arabern nicht oder doch wesentlich anders findet, andrerseits in 
der Anordnung, in der ganzen Auffassung und in den Einzelheiten der 
Erzählung sehr viel Uebereinstimmung mit jenen arabischen Berichten , 
ja giebt oft fast wörtlich dieselben Ausdrücke *). Da nun nach der 
Ueberlieferung wie nach inneren Gründen Firdausi ’s Vorlagen nicht ans 
arabischen Büchern stammten, so muss die Uebereinstimmung aus einer 



1) Auch hier ist gelegentlich einige Fiction, indem er nämlich von 
Autoritäten wie von mündlichen spricht, während er sie schriftlich be- 
nutzte. Für uns liegt darin allerdings keine Beeinträchtigung ihres Ge- 
wichts. 

2) Auf einiges der Art habe ich in den Anmerkungen zum Tabari 
gelegentlich hingewiesen; vgl. z. B. 8. 148 Anm. 1. 363 Anm. 2. 368 
Anm. 1. Seit von MohTs französischer Uebersetzung eine handliche Aus- 
gabe erschienen ist, kann sich jedermann leicht selbst von dieser Aehn- 
lichkeit überzeugen. Allerdings lässt MohTs Arbeit, so verdienstvoll 
sie ist, doch an Genauigkeit manches zu wünschen übrig. 



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XV 



gemeinschaftlichen letzten Grundlage erklärt werden. Dies Grundwert 
wird uns aber sowohl bei pabar! und den anderen Arabern wie bei Fir- 
dausi nur durch mehrfache Vermittelung reflectiert. Nach den ausdrück- 
lichen Angaben und Andeutungen wie nach manchen Spuren im Stil 
und in einzelnen Ausdrücken, ferner nach allem, was wir über die li- 
terarischen Verhältnisse wissen, können wir mit Sicherheit sagen, dass 
jenes Grundwert wie alle übrigen persischen erzählenden Werke aus der 
Sftsäniden- und der ältesten arabischen Zeit in der Schriftsprache dieser 
Periode, dem Pehlewi, abgefasst war. Die wichtigste zusammenhängende 
Darstellung der persischen Geschichte, auf welche unsere Berichte zu- 
rückgehn, ist gewiss das Chodhäi-namak ( Chodhdindme ) d. h. das »Herren- 
buch”, was dem S&h-näme »Königsbuch” der Späteren entspricht. Diesen 
Namen nennen uns Hamza 16. 24. 64; Fihrist 118, 27. 305, 12. Nach 
der prosaischen Einleitung zum Firdaus! *) war ein persisches Königs- 
buch zuerst auf Veranstaltung Chosrau’s I AnöSarwän (531 — 579) ver- 
fasst, die vollständige Geschichte aber erst unter Jazdegerd HI (regierte 
nominell von 682 — 651 oder 652; war factisch König des ganzen Reichs 
etwa von 633—637) durch den Dihkän •) DäniSwar zusammengestellt. 
Dies Buch, das mit dem Chodhäinäme zu identificieren wohl nicht zu 
kühn sein dürfte , ging vom Urkönig Gajömarth bis zum Ende der Regie- 
rung Chosrau’s H Parwfiz (628). Obgleich diese Einleitung zum Firdaus! 
erst aus dem 15 1 « Jahrhundert ist und im Einzelnen an Ungenauigkei- 
ten und Fabeln alles leistet, was man von einem neupersischen Litera- 
turbericht nur verlangen kann , so möchte ich doch auf die hier genannte 
Zeit der Abfassung Werth legen. Wirklich geht ja die Uebereinstim- 
mung der Erzählung in den verschiedenen Quellen bis zum Tode des 
Parwßz und bricht da auf einmal ab, während sich nirgends eine Spur 
davon zeigt, dass der Abschluss des Grundwerks erst nach dem Siege 
der Araber falle. Dazu passt der legitimistische Character der Darstel- 
lung besonders gut in eine Zeit, wo man Usurpationen und Empörungen 
aller Art durchgemacht hatte und hoffen konnte, dass mit dem, nun 



1) Abgedruckt vor Macan’s Ausgabe; vrgl. auch Wallenbourg, Notice 
sur le Schahnamah. Vienne 1810 und Mohl, Pröface. Eine ähnliche, kür- 
zere Darstellung finde ich in einer ganz modernen Handschrift des Ge- 
dichtes auf der Strassburger Bibliothek. Handschriftliche Werke über 
pers. Literatur und vielleicht schon bessere Codices Firdausi’s werden 
über Ursprung und Werth dieser Berichte wohl noch Genaueres ergeben. 

2) S. unten S. 440. 



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XVI 



allseitig anerkannten, jugendlichen Enkel des ParwSz, der an dem hei- 
ligen Ursprungsorte der Dynastie gekrönt war, eine neue Aera des 
Heils für das alte Reich anbrechen werde, eine Hoffnung, welcher freilich 
die Schlacht von Qädisija (Ende 637) ein furchtbares Ende bereitete. In 
die Zeit des von Chosrau II , nicht aber von Söröö abstammenden Jazdegerd 
passt namentlich auch die von den verschiedenen Quellen wiedergegebne 
Verantwortung des gefangenen Königs '), dessen glänzende Regierung 
bei allen ihren Schattenseiten doch einen gewaltigen Gegensatz bildete 
gegen die von dem Vatermörder eingeleitete Periode. Auch eine andere, 
kleinere Schrift , welche die stürmischen ersten Regierungejahre Chosrau'« 
II in romanhafter Weise darstellte, scheint um jene Zeit entstanden zu 
sein •). Für weniger sicher möchte ich den Namen Däniäwar halten; 
dies könnte ursprünglich ein Eigenschaftswort » kenntnissreich" sein: 
einen »kenntnisreichen Dihkän" als Sammler der Königsgeschichten zu 
nennen, lag jedem nahe, der aus Firdausi wusste, wie der Landadel 
der Dihk&ne der eigentliche Hüter der nationalen Ueberlieferung war. 

Sicher hatte das damals verfasste Sammelwerk schriftliche Quellen. 
Ohne solche wäre es unmöglich gewesen, über längst vergangene Zeiten 
zum Theil genaue Einzelheiten zu geben. Auch stimmen ja die kurzen 
Angaben, welche der Syrer Sergius dem Agathias aus den ßmikatk Spkq- 
tivtuumCfJUtret (4, 30) mittheilte, im Ganzen zu unserer arabisch-persischen 
Ueberlieferung. Zu Chosrau's I Zeit hat also schon eine einigermassen 
officielle Gesammtdarstellung der persischen Geschichte existiert 4 ). 
Sonst freilich ist auf die Nennung des Chosrau hier nicht viel Gewicht 
zu legen,, denn diesem König wird nun einmal gern alles schöne und 
gute zugeschrieben. 

Dies Königsbuch enthielt, wie gesagt, die Geschichte der Perser von 
der Welterschaffung bis gegen den Untergang des letzten rein nationalen 
Reichs. Es machte keinen Unterschied zwischen gänzlich mythischen, 
sagenhaften und völlig geschichtlichen Königen, und so haben denn 
auch die von ihm abhängigen Araber und Perser keine Ahnung davon, 



1) S. unten S. 363 ff. 

2) S. unten S. 477. Ob auch das Kärnämak, der kleine, uns im 
Pehlewi-Original erhaltene, Roman von der Gründung des Reichs durch 
Ardaftr, damals verfasst ist? 

3) Aus dieser stammt auch die Berechnung der parteiischen Zeit auf 
nur 270 Jahre Agathias 2, 26; dies ist doch wesentlich dasselbe wie die 
Zahl 266 der Perser; s. unten S. 1. 



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XA T IX 



dass z. B. HöSang und Rüstern nicht eben so historische Personen sind 
wie etwa Säpür I und Bahräm Ööbin. Freilich machte sich aber im Stoff 
selbst eine gewaltige Verschiedenheit geltend. Die mythischen Erzäh- 
lungen, in ihren Grundlagen schon zti* Zeit des Awestä feststehend '), 
waren reich entwickelt und in der Säsänidenzeit gewiss schon allgemein 
bekannt *). An diese fügte sich priesterliche Speculation und Ueberlie- 
ferung über den Ursprung der Welt, der Civilisation und die Gesetz- 
gebung Zoroasters. Dazu kamen mancherlei Stammbäume, ln dem allen 
waren höchstens einige wenige Personennamen geschichtlich. Von den 
Reichen der Meder und der eigentlichen Perser hatte diese Ueberliefe- 
rung keine "Kunde; es ist zweifelhaft, ob sie auch nur ganz schwache 
Reflexe der letzten Zeit der Achämeniden enthielt. Ganz unvermittelt 
wurden nun an diese alte einheimische Tradition die aus fremder Quelle , 
dem griechischen Alexanderroman *), geflossene Geschichte des letzten 
Darius und Alexanders angefügt. Von der langen Periode der Macedo- 
nier und der Parther hatte man nicht viel mehr als einige Namen auf- 
bewahrt. Deutlich ward die Erinnerung wieder mit den Säsäniden. 
Namentlich über den Stifter diesen* Dynastie gab es zwar einerseits ganz 
romanhafte Erzählungen, andrerseits aber auch solche, die vortreffliche 
historische Angaben enthielten; grade diese scheinen jedoch in dem 
Hauptwerk, dem Chodhäinäme, weniger vertreten gewesen zu sein. 
Von den folgenden Königen bis gegen die Zeit Jazdegerd’s I (392—420) 
wusste man wieder sehr wenig Einzelheiten. Eben bei diesem Abschnitt 
zeigt sich nun aber in den ausführlicheren Reflexen des alten Königs- 
buchs, wie dasselbe durch rhetorische Darstellung der Huldigungsscenen, 
Thronreden der Könige u. drgl. m. den Mangel wirklicher Kunde zu ver- 



1) Das hat namentlich Spiegel erwiesen; s. z. B. dessen »Arische Stu- 
dien 1 ' I, 110 ff. 

2) Moses von Choren (2te Hälfte des 5ten Jahrhunderts) setzt die 
Bekanntschaft einiger der wichtigsten dieser Erzählungen in Armenien, 
also schon ausserhalb des eigentlichen trän's, voraus. Bei Gelegenheit 
des Eroberungszuges eines Arabers um 650 wird erwähnt, dass an einem 
bestimmten Orte in Sagistän der Stall von Rustem's Pferd sei Belädhorl 
894, vgl. Jaq. HI, 43; somit kannte man damals nicht bloss* Rüstern 
als Held von Sagistän, wie schon Moses v. Chor. 2, 8, sondern kannte 
auch sein berühmtes Ross (RachS). A. a. 0. sagt Moses , 4ie Perser legten 
diesem Helden die Kraft von 120 Elephanten bei: »elephantenleibig” 
(piltan) ist noch bei Firdausl ein Epitheton von ihm. 

3) S. zum Kärnämak 36. 



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xvm 



hüllen suchte. Von da an hatte man dann aber im Allgemeinen gute, 
zum Theil sehr gute Kunde. Nun ging jedoch diese ganze Geschichts- 
darstellung gar nicht darauf ags, bloss die Wahrheit zu erzählen; für 
die Wahrheit , die sie von je her so Überschwänglich priesen , hatten die 
fränier in Wirklichkeit nie sehr viel Sinn. Das Chodhäinäme und die 
verwandten Werk waren tendentiös und rhetorisch *). Der rhetorische 
Character ergiebt sich noch aus den, doch stark verkürzten, arabischen 
Reflexen. Ein classisches Zeugniss dafür ist folgende , mir von Herrn 
Baron v. RosCn aus der Petersburger Handschrift freundlichst mitge- 
theilte Stelle des Buches albajdn wattab ßn von öähiz (f kurz vor oder 
nach Neujahr 869), wo die §u‘übfja, d. h. die Perser, welche, obgleich 
Muslime, doch ihr Volk über das arabische stellen, sagen: ».. . und 
wem es zu thun ist um Verstand, feine Bildung, die Kunde von den 
Rängen, Exempeln und Bestrafungen, um^ elegante Ausdrücke und treff- 
liche Gedanken, der werfe einen Blick auf die Geschichte [eigentlich 
»die Vitae”] dar Könige . . . ." So ( Sijar almulük) nennen die Araber die 
aus dem Pehlewl übersetzten persischen Königsbücher. Ferner vergleiche 
man , was Hamza 63 von den Werken über persische Geschichte sagt *). 
Die Tendenz dieser persischen Ueberlieferung nachzuweisen, habe ich 
mich unten in den Anmerkungen vielfach bemüht. Die Erzählung ist 
zwar monarchisch und legitimistisch , aber zugleich durchaus im Sinn 
des hohen Adels und der Geistlichkeit. Dazu kommt das Bestreben, den 
Ruhm der Perser möglichst zu erheben, wodurch mitunter eine sehr 
seltsame Wirkung hervorgerufen wird *). Uebrigens dürfte es schon im 
Chodhäinäme nicht ganz an Widersprüchen im Thatsächlichen wie in 
der Beurtheilung von Personen gefehlt haben, wie sie die Benutzung 
verschiedener Quellen leicht mit sich brachte. Aber trotz alledem muss 
ein solches, noch unter den Säsäniden geschriebnes , mit den Verhältni- 
ssen des Reiches genau bekanntes, mehr oder weniger officielles Werk 
eine vorzügliche Geschichtsquelle gewesen sein; schwerlich hat es je 

1) Ich berücksichtige hier und im Folgenden nur die Geschichte der 
Säsäniden , doch gilt das Meiste auch für die früheren Theile der durch 
die Araber und Firdausl reflectierten älteren Geschichtschreibung. 

2) Spätere haben dann wohl noch manches der Art hinzugefügt wie 
z. B. die Grabschriften der Könige, von denen Hamza einige mittheilt. 
Vrgl. noch Mas. H, 239. 

3) Spätere Bearbeiter haben diese Tendenz wohl noch verschärft und 
namentlich Bosheiten gegen die Araber eingeflochten; s. unten S. 57 
Anm. 1. 270 Anm. 2. 280 Anm. 2. 



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eine bessere zusammenhängende Darstellung der Geschichte dieser Dy- 
nastie gegeben als das Chodhäinäme. 

Da uns von der geschichtlichen und Romanliteratur des Pehlewi , bis 
auf den kleine Buch von Arda&r’s Abenteuern f kein Originalstück ge*»' 
rettet ist und auch die unmittelbaren arabischen Bearbeitungen der 
Gesammtgeschichte nach dem Pehlewi verloren sind , so bleiben wir selbst 
über manche der wichtigsten einschlägigen Puncte ganz im Unklaren, 
So können wir namentlich wenigstens jetzt noch nicht sagen, ob es 
neben dem eigentlichen Chodhäinäme noch andre Gesammtdarstellungen 
der Geschichte gab oder ob die meist nur geringen, zum Theil 
aber auch recht wesentlichen Abweichungen, welche schon in den 
Pehlewtschriften bestanden haben müssen, doch nur auf verschiedene 
Recensionen jenes Buches zurdckzuführen sind. Die Annahme , dass ein- 
zelne Exemplare des Buches gelegentlich Zusätze aus anderen, speciel- 
leren Pehlewi- Werken wie z. B. aus dem Bah räm -Roman *) erhalten 
hätten, wäre nicht sehr gewagt. Wenn Bahräm, der Oberpriester der 
Stadt Öäpür (in der Provinz Pärs), mehr als 20 Handschriften des 
Chodhäinäme verglichen und aus deren Abweichungen eine eigne Re- 
zension hergestellt hat (Hamza 24), so scheint es sich da freilich nur 
um die Zahl der Jahre für die einzelnen Regierungen zu handeln, und 
ähnlich wird es mit den Klagen des Müsä b. ‘tsä Kesrawi (um 870) 
über die starken Varianten in den Exemplaren des Werkes sein; Letz- 
terer, der von Uebersetzungsfehlern spricht, hat übrigens am Ende bloss 
die arabischen Bearbeitungen im Auge. Aber auf alle Fälle zeigt schon 
.die Lectüre Tabarfs, viel mehr aber die Vergleichung fabari’s und 
andrer Araber mit einander und mit Firdausi, dass ganze Partien der 
KOnigsgeschichte schon in den Pehle wi-Original en in wesentlich verschie- 
dener Gestalt vorhanden waren. Sonst wäre es z. B. nicht möglich, 
dass, wo Tabari zwei verschiedene Versionen giebt, die eine gemeinlich 
mit Eutychius und Ibn Qotaiba , die aus der Uebersetzung des Ibn Mo- 
qaffa* schöpften (s. unten S. XXI), stimmt, die andre mit dem Araber Ja'qübt 
und dazu oft mit Firdausi /der nicht durch arabische, sondern durch 
neupersische Vermittlung auf die Pehlewi texte zurückgeht (s. S. XXIII ff.). 
Für die Kenntniss der Geschichte ist es immerhin von Werth, dass sich 
dergestalt allerlei von einander abweichende Nachrichten über die Sä- 
sänidenzeit erhalten haben. Dabei ist aber zu bemerken, dass der 



1) S. unten S. 474. ff. 



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XX 



Character und die Tendenz der verschiedenen Berichte fast durchweg 
dieselben sind, und ferner, dass wir manchmal ganz sicher nur wenig 
differierende Recensionen einer und derselben Grundlage haben. Die 
Frage, ob diese Differenz älter oder jünger ist als das Chodhäinäme, 
hat mehr literarische als geschichtliche Bedeutung. 

Viel sicherer könnten wir dies alles beurtheilen, wenn uns auch nur 
eine der direct aus dem Pehlewi gemachten arabischen Bearbeitungen 
der persischen Gesammtgeschichte erhalten wäre. Vor Allem ist zu be- 
dauern der Verlust von Ibn Moqaffa‘s »Geschichte der persischen Kö- 
nige", welche von Hamza und anderen Kennern immer an erster Stelle 
unter den »Uebersetzungen" des persischen Königsbuchs genannt wird. 
Dieser hervorragende Mann (f um 760 n. Ch.) t der erst im späteren 
Alter die Religion seiner persischen Vorfahren mit dem Isläm vertauschte 
und diesen wohl nie mit Eifer bekannt hat, übertrug eine Reihe von 
Pehlewi-Werken in's Arabische, darunter auch das Chodhäinäme, vrgl. 
u. A. Hamza 8; Fihrist 118, 27. Er war ein Hofmann, galt als gu- 
ter arabischer Dichter 1 ) und als einer der besten rhetorischen Schrift- 
steller seiner Zeit. Der bekannte Wezir Ibn Moqla (f 939) zählte ihn 
zu »den 10 beredtesten Männern" Fihrist 126; vrgl. noch Ibn Chaldün 
Prolegg. I, 65. So war er denn auch gewiss bestrebt, die Uebersetzung 
der persischen Reichsgeschichte dem Geschmack seiner Zeitgenossen an- 
zupassen. Aber wir haben keinen genügenden Grund zu der Annahme , 
dass er in der Bearbeitung willkürlich materielle Aenderungen angebracht 
oder auch nur die rhetorischen Stellen der Urschrift sehr erweitert oder 
wesentlich anders gewandt habe *). Vielfach widerlegt schon seine Ueber- 
einstimmung mit anderen, von ihm unabhängigen, Quellen z. B. Fir- 
dausl einen solchen Verdacht 3 ). Dass je dies ganze Werk Ibn Moqaffa's 



1) Fihrist 166. Hat Abü Tammäm doch sogar ein paar Verse von 
ihm in die Hamäsa aufgenommen (p. 394), die freilich mehr rhetorisch 
als poetisch sind. 

2) Aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Muslime mag er wie 
alle übrigen Bearbeiter allerdings hie und da einiges abgeschwächt ha- 
ben; doch ist das für die Säsänidengeschichte gewiss nicht von Bedeutung. 

3) Aehnlich beweist die grosse wörtliche Uebereinstimmung von Ibn 
Moqaffa‘s Kalila waDimna mit der älteren syrischen Version, dass 
jene eine zwar elegante, aber doch sinngetreue Uebersetzung des Peh- 
lewi-Originals ist. Dies wird noch klarer hervortreten, wenn wir einmal 
eine Ausgabe des Buches haben, die Ibn Moqaffa‘s Text genauer dar- 
stellt als die de Sacy’s. 



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XXX 



wieder aufgefunden werde, ist wenig wahrscheinlich. Dagegen werden 
sich neben den dem Inhalt nach daraus abgeleiteten Berichten mit der 
Zeit wohl noch mehrere einzelne Stellen des Buches zusammenbringen 
lassen; leider ist aber zu fürchten, dass dies durchweg mehr rhetorische 
als sachlich wichtige Stücke sein werden. Einiges der Art findet sich 
in den l Oßtn al-achbär von Ibn Qotaiba (f 889); unter diesen Stellen, 
die ich v. Rosen’s Güte (nach der Handschrift des Asiatischen Museums 
in St. Petersburg) verdanke, ist eine ziemlich lange über das Ende des 
Pöröz 1 ). Dasselbe Stück hat nun, wenig verkürzt, auch die Chronik 
des Patriarchen von Alexandria Sa‘id b. Batriq oder Eutychius (t 304; 
schrieb gegen sein Lebensende) im Zusammenhang der Geschichtserzäh- 
lung. Von vorn herein wird man deshalb geneigt sein, auch die son- 
stigen Berichte des Eutychius über die Säsäniden aus Ibn Moqaffa* ab- 
zuleiten. Für diese Annahme spricht nun der Umstand, dass die Geschichte 
der Dynastie im Handbuch ( Kitäb alma'ärif) des eben genannten Ibn' 
Qotaiba, 90 kurz sie ist, wie in jenem Berichte vom Untergang des 
Päröz, so durchweg eifte derartige Uebereinstimmung mit der im Eu- 
tychius zeigt, dass hier beide von einander ganz unabhängige Schrift- 
steller einer und derselben Quelle gefolgt sein müssen : dies kann füglich 
nur das Werk des Ibn Moqaffa* sein a ). Der Auszug bei Eutychius ist 
sehr ungleichmässig, bald ziemlich ausführlich, bald sehr kurz. Gleich- 
mässiger sind im Ganzen gehalten die der Darstellung des Eutychius und 
Ibn Qotaiba entsprechenden und also auf Ibn Moqaffa* zurückzuleitenden 
Erzählungen bei Tabarl, neben welchen da n n bei diesem noch andre 
Berichte. Aber Tabari hat das Buch Ibn Moqaffa‘s nicht selbst benutzt, 
sondern für die persische Geschichte — neben anderen Quellen— vorzugs- 
weise ein jüngeres Werk gebraucht, welches schön eine andre Version 



1) 8. unten 121 ff. 

1) Da Ibn Qotaiba in den ‘Ojün al-achbär bei den Auszügen aus den 
»Lebensbeschreibungen der Perser” den Namen Ibn Moqaffa*s nicht aus- 
drücklich nennt, so wäre allerdings die Möglichkeit nicht gradezu 
ausgeschlossen, dass er eine andre Bearbeitung des Chodhäinäme meint, 
aber sehr unwahrscheinlich ist dies doch. Denn zunächst hat man bei 
eineiq solchen Titel schlechtweg an das älteste und berühmteste Werk 
zu denken, und ferner giebt Ibn Qotaiba in demselben Buche noch 
Auszüge aus den gleichfalls von Ibn Moqaffa* übersetzten Schriften 
Kitäb attüj (Filmst 118, 27. 305, 11) und JjrtjFihrist 118, 27. 305, 12), 
ferner, mit Nennung des Namens, aus den Adäb Ibn Moqaffa * (Fihrist 
118, 28). 



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XXII 



mit den Auszügen aus jenem zusammenges teilt hatte. Dies ergiebt sich 
daraus, dass auch der anonyme Codex Sprenger. 30 ’), welcher von 
Tabart unabhängig ist wie dieser von ihm, ganz dieselbe Verbindung 
zweier Hauptquellen bietet und sich für die betreffenden Abschnitte 
zum Theil fast wie eine Handschrift Tabait's gebrauchen lässt. Beide 
haben eben dieselbe, theils auf Ibn Moqaffa 1 , theils auf einen Andern 
zurückgehnde Darstellung möglichst wörtlich benutzt, so jedoch, dass 
zuweilen der Anonymus, seltner Tabart etwas abkürzt. Mit dem nicht 
aus Ibn Moqaffa 1 geschöpften Bericht stimmt wiederum meistens überein 
die freilich nur kurze Sdsänidengeschichte in der Einleitung von Ja'qftbt’s 
(gegen 900) Geschichte der ‘Abbäsiden *), von welcher mir de Goeje 
freundlichst eine Abschrift gemacht hat; dazu hat der vortreffliche 
Schriftsteller gelegentlich allerdings noch andre Mittheilungen gefügt. 
Sehr oft berührt sich diese Darstellung auch mit Firdaust. Von wem 
diese andre Bearbeitung der Sftsänidengeschichte herrührt, vermag ich 
nicht zu sagen. Wir kennen freilich die Namen einer ganzen Reihe 
von Leuten, welche die Geschichte der Perser nach dem Pehlewt für 
Araber bearbeitet haben, s. Hamza 8 sq. (danach Mugmil attawärlch 
j. as. 1839, I, 251 und 1841, I, 143); Bel‘amt, Übersetzt von Dubeux p. 4; 
Birüni 99., vrgl. Fihrist 245 , aber , während wir wenigstens über einige 
der hier genannten Leute noch etliche Notizen zusammenbringen könn- 
ten, wissen wir doch nichts genaueres über sie und vollends nichts über 
die specielle* Art ihrer Arbeit. Als sicher können wir annehmen, dass 
sie alle später als Ibn Moqaffa 4 geschrieben haben. Dieser wird immer 
an erster Stelle genannt; der regelmässig unmittelbar nach ihm aufge- 
führte Mubammed b. öahm trägt den Beinamen Barmeld , war also 
ein Client der Barmekiden, die erst geraume Zeit nach Ibn Moqaffa 4 s 
Tode zur Macht kamen. Vermuthlich haben sie alle das Werk ihres 
berühmten Vorgängers benutzt. Wie sie im Einzelnen verfahren sind, 
ob vielleicht Einige von ihnen auch nichtpersische Ueberlieferung heran- 
zogen 3 ), wie weit der Eine oder der Andre die Novellen benutzte, deren 



1) Vrgl. Rothstein, De chronographo Arabe anonymo (Bonn 1877). 

2) Vrgl. de Goeje, »Ueber die Gesch. der Abbasiden von al-Jakübi" 
im >Vol. H. des Travanx de la 3e session du Congrös international des 
Orientalistes.” 

3) Dafür spräche enigermaassen der Umstand, dass nicht bloss Tab. 
und Spr., sondern' auch Ja ( qübt die Geschichte Julians aus dem syrischen 



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es im Pehlewi manche gegeben haben mag, das vermögen wir nicht 
mehr an bestimmen. Auch bleibt einstweilen dunkel, woher Tabart die 
meisten persischen Nachrichten hat, die sich nicht auch in dem Ano- 
nymus (Cod. Sprenger 30) finden» Zur Klärung dieses ganzen Gebietes 
wird es zweckmässig sein, zuerst alles auszuscheiden, was direct oder 
indirect auf Ibn Moqaffa* zurückgeht; mit sorgsamer Beachtung des In- 
halts und des Stils wird man damit noch ein gut Stück weiter kommen, 
als ich es in meinen Anmerkungen angedeutet habe. Auf der anderen 
Seite hat man dann FirdauSi scharf in's Auge zu fassen. Was bei Tabart 
und in anderen GesammtdarStellungen weder aus Ibn Moqaffh* stammt, 
noch bei FirdauSt repräsentiert ist, das verdient eine ganz besondere 
Untersuchung 1 ). 

Bei oberflächlichem Lesen Firdausi's möchte man meinen, derselbe 
habe seinen Stoff theils direct aus PehleWi-Büchem , theils aus dem 
Munde kundiger Sagenerzähler geschöpft. Das dies ein falscher Schein 
ist , zeigt sofort seine grosse Uebereinstimmung nicht bloss in den Haupt- 
sachen , sondern auch im Einzelnen Und in der Anordnung mit den, zum 
Theil viel älteren, Arabern. FirdauSi hat sicher kein Pehlewi verstanden i) 
Und war auch des Arabischen so gut wie unkundig; er hat ausschliess- 
lich oder doch ganz Überwiegend schriftliche Quellen benutzt, und zWar 
neupersische. Seine Hauptquelle war nach der oben erwähnten Einleitung 
Zum Sähnäme eine Uebersetzung des alten Königsbuchs, welche von Abü 
Mansür b. ‘Abdarrazzftq b. ‘Abdalläh (b.) Ferruch veranstaltet war. 



Roman (s. unten S. 59 ff.) in den Zusammenhang der persischen Ge- 
schichte verarbeitet vorfanden , während bei Qot. und Eut., also bei Ibn 
Moqaffa*, nichts davon steht. 

1) Der Anonymus (Spr.) citiert einigemal den Möbedh Abü Öa‘far 
ZarätuSt, Sohn des (?), welcher unter dem Chalifen Mu*ta§im ^833 — 
842) gelebt habe ; bei der Säsänidengeschichte führt er ihn an als Auto- 
rität Über den letzten Römerkrieg des Mihr-Narsö (s. unten S. 116) und 
wahrscheinlich (der Name ist entstellt) über die Verhältnisse von Mihr- 
Narsö's Familie (S. 109 ff.). Da Tabarl wörtlich dieselben Nachrichten 
im selben Zusammenhänge giebt, so müssen sie schon in ihre gemein- 
schaftliche Quelle aufgenommen sein, aber noch mit Bezeichnung des 
Gewährsmannes. 

2) Damals verstand nur noch äusserst selten ein Andrer etwas von 
dieser Sprache als die Pärsen-Priester. Selbst Firdausi's hochgelehrter 
Zeitgenosse Birüni war des Pehlewi unkundig, und auch bei Hamza 
kann wenigstens nicht von einer ernsthaften Kenntniss desselben die 
Rede sein. 



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fc* IV 



Soweit ist diese Nachricht gewiss gut. Denn das §ähnäme des Abü 
Mansür b. ‘Abdarrazzäq von Tüs wird uns bezeugt durch Blrünl 38. 116. 
Nach der Einleitung war jener Mann ein Minister des Ja‘qüb b. Laith 
Saffär ; dieser veranlasste ihn zu dem Werk, welches er durch einen 
gewissen Su‘üd (?) b. Mansür Ma ( mart (‘Omarl?) mit Hülfe von 4 kundi- 
gen Leuten aus Choräsän und Sagistän machen liess und zwar im Jahre 
360 d. H. Die chronologische Unmöglichkeit, welche diese Zahl bietet, 
ist durch MohTs Verbesserung 260 gehoben; Ja‘qüb fasste in Choräsän 
Fuss im Jahre 253 d. H. und regierte bis 265 (f im Juni 879 n. Chr.). 
Aber sonst enthält diese Angabe verschiedenes unrichtige ’). Dass der 
rauhe Krieger Ja‘qüb, der beständig im Feldlager war, für solche li- 
terarische Unternehmungen Sinn gehabt hätte, ist nicht grade wahr- 
scheinlich, wäre aber doch denkbar; er könnte ja einen politischen 
Zweck dabei gehabt haben. Aber Abü Mansür b. ‘Abdarrazzäq lebte 
gar nicht unter Ja‘qüb , sondern 2— 3 Menschenalter später. Denn er 
ist entweder ein Bruder des Muhammed b. ‘Abdarrazzäq von Tüs oder 
mit diesem selbst identisch. Jene Annahme ist deshalb wahrscheinlicher, 
weil die Strassburger Handschrift den Mann einmal Abü Mansür Ahmed 
nennt und Muhammed wirklich einen Bruder Ahmed hatte, der an 
seinen politischen Händeln Theil nahm Ihn Athlr VIII, 354. Muhammed 
war Herr von Tüs ; wir hören von ihm allerlei , wie er in den Jahren 
834—349 d. H. (945—960 n. Ch.) bald auf Seiten der Sämäniden , seiner 
eigentlichen Herrn, bald auf Seiten von deren mächtigem Gegner, dem 
Buiden Ruknaddin steht 2 ), dessen Hauptsitz seinem Gebiet gefährlich 
nahe lag. In diese Zeit, wo der Eifer für die neupersische Sprache 
mächtig erwacht war, passt das Unternehmen auch am besten. Un- 
mittelbar daran schliesst sich der Plan der Fürsten von Choräsän, dies 
Prosabuch in poetische Form zu bringen, was zunächst Daqtql für die 
Sämäniden begann und dann des Abü Mansür b. ‘Abdarrazzäq specieller 
Landsmann, Firdaust aus Tüs, für Mahmüd von Ghazna zu Ende führte. 
Die Namen der 4 Leute, welche die eigentliche Arbeit für den Sohn 
des ‘Abdarrazzäq machten, sind alle echt persisch; dies deutet darauf 
hin, dass es Anhänger der alten Religion waren und dass sie wirklich 
ein Pehlewi-Original vor sich hatten; eine arabische Bearbeitung in’s 
Neupersische zu übertragen, hätte auch nicht eines solchen Aufwandes 



1) Die Strassburger Handschrift nennt hie weder Ja‘qüb noch das Jahr. 

2) Ibn Athir VIII 346. 853 sq. 361. 396. 



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XXV 



von Kräften bedurft. Uebrigens zeigt auch noch Firdausi’s Gedicht 
gelegentlich Spuren davon, dass seine Quellen nicht durch’s Arabische 
hindurch gegangen waren. Von jenen Männern ist mir nur einer 
sonst vorgekommen , nämlich Sädhän ’), Sohn des Barzln. Diesen nennt 
Firdausi an der Spitze des Berichts von der Herschaffung des Buches 
K&lila waDimna : »merk' auf, was §ädhän, Sohn des Barzin , gesagt 
hat da, wo er das Geheimniss offenbarte" (IV, 1746, vrgl. Notices et 
extraits X, 140). Da dies Stück eine Episode ist, welche gewiss nicht 
im Chodhäinäme vorkam, so dürfen wir wohl schliessen, dass das pro- 
saische Sähnäme, an welchem dieser Sädhän mitgearbeitet hat, schon 
allerlei solche Episoden in sich schloss , wenn auch Firdausi noch man- 
ches anderswoher wird genommen haben. Interessant ist, dass der 
Machthaber, welcher dies Werk veranstaltete, Abu Mansür b. ‘Abdar- 
razzäq nach Birünl einen falschen Stammbaum darin anbringen liess, 
welcher sein Geschlecht bis auf Manö&hr hinaufführte; derartiges war 
damals bei neu emporgekommenen Leuten persischer Nationalität sehr 
üblich # ). Für den Verlust dieses Prosawerkes entschädigt uns wenigstens 
das daraus hervorgegangene Epos Firdauäi’s. 

Als wichtigsten der noch vorhandenen arabischen Repräsentanten des 
Chodhäinäme und der damit zusammenhängenden Literatur haben wir 
auf alle Fälle Tabari anzusehen. Ueber Eutychius , Ibn Qotaiha und 
Ja ( qübi habe ich schon oben gesprochen. Ein anderer älterer Schrift- 
steller Abü Hanifa Ahmed b. Däüd Dlnawari (f 282 d. H. = 895/96 



1) Bei Macan falsch Sulaimän. 

2) Von diesem §ähnäme ist wohl das des mir sonst nicht bekannten 
Dichters Abü ‘Ali Muhammed b. Ahmed Balchi verschieden, welcher 
behauptete, die (arabischen) Bearbeitungen des Chodhäinäme von Ibn 
Moqaffa‘ u. s. w. benuzt zu haben. Birüni theilt daraus p. 99 eine kos- 
mogonische Stelle mit, welche viel Aenlichkeit hat mit der Hamza 64 
sq. aus dem Abestä (also einer priesterlichen Schrift) gegebnen und mit 
Cap. 34 des BundetiiSn, das sich ja oft auf das Awestä (Apestäk) beruft; 
die Stelle bei Birüni ist aber ausführlicher. Dass sie von Hamza unab- 
hängig ist, zeigt sich schon darin, dass der Beiname des Gajömarth 
dort gar-Mh ist , nicht gü-säh , wie Hamza's Gewährsmann aussprach. 
Nach Hamza fand sich diese Stelle im Chodhäinäme, aber nicht bei Ibn 
Moqaffia 1 und bei Muhammed b. Öahm. Haben diese sie wirklich in 
ihrem Original gefunden, so haben sie sie aus Scheu vor religiösem 
Aergemiss weggelassen ; auch Firdausi konnte derartiges nicht auf- 
nehmen. 



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*XVI 



n. Ch.) ') berührt sich in den betreffenden Abschnitten seiner Chronik 
sehr mit Tabart, hat aber auch viel eignes. Freilich ergiebt eine ge- 
nauere Untersuchung, dass er direct oder indirect ziemlich stark aus 
romanhaften Werken geschöpft hat und nicht besonders exact ist. Wäh- 
rend bei Tabart die abweichenden Berichte gesondert von einander ge- 
geben werden, verarbeitet sie Dinawarl zu einer einheitlichen Dar- 
stellung. 

Das kleine Buch, welches Hamza von Ispahän im Jahre 961 geschrie- 
ben hat *), enthält in Kürze viele selbständige Nachrichten über die 
Säsäniden. Hamza steht seinem Stoffe viel selbständiger gegenüber als 
Tabart, aber für uns ist das compilatorische Verfahren des Letzteren 
weit bequemer s ). 

Auch Ma8*üdl’B »Goldwiesen” (geschrieben 943/44) geben uns manche 
aus guter persischer Quelle stammende Ergänzung zu Tabart; freilich ar- 
beitet Mas ( üdi sehr ungleich, nimmt manches bedenkliche auf, wenn es 
nur interessant ist und ist im Einzelnen nicht all zu sorgfältig. 

Ziemlich geringen Werth hat als historische Quelle die sonst in 
mehrfacher Hinsicht sehr merkwürdige persische Bearbeitung des Tabart , 
verfasst oder veranlasst von Muhammed Bel ‘am! 963 n. Ch. Ich be- 
zeichne das Buch meist als »persischen Tabart”; benutzt habe ich es in 
der vortrefflichen Gothaer Handschrift und in Zotenberg's französischer 
Uebersetzung. Auch habe ich die türkische Uebersetzung Bel‘aml’a 
herangezogen und zwar auch in einer Gothaer Handschrift. 

Alle diese Schriftsteller, zu welchen noch einzelne Stellen und kürzere 
Notizen in anderen filteren und jüngeren kommen, geben uns zusam- 



1) Ibn Athir Vn, 329; vrgl. Fihrist 78; Mas. DI, 442; nirgends ist 
von seiner Chronik die Bede. Das einzige bekannte Exemplar derselben 
befindet sich in der Bibliothek des Inst, der Orient Sprachen im Minist, 
des Auswärtigen in St Petersburg ; s. Rosen’s Catalog p. 14 sqq. Dieser 
Gelehrte hatte die grosse Zuvorkommenheit, mir den Theil seiner Ab- 
schrift des Codex zu schicken, welcher die Säsänidengeschichte enthält. 

2) Herausgegeben und übersetzt von Gottwald Petersb. 1844. 1848. 
Die Ausgabe ist mangelhaft. Die Leydner Handschrift bietet oft einen 
besseren Text. — Dies Buch ist die Hauptquelle des Mugmil attawärtch, 
dem man jetzt nicht mehr die grosse Bedeutung zuschreiben kann wie 
früher. 

3) Merkwürdig ist, dass Hamza ein Bilderbuch, welches die einzelnen 
Säsäniden je in ihrem besonderen Staate darstellte, ganz ernsthaft als 
historische Quelle verwerthet. 



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xxvn 



men ein ziemlich reiches und lebendiges Bild der persischen Ueberlie- 
ferung über die Säsänidenzeit. Die beste umfassende Darstellung der 
Säsänidengeschichte auf Grundlage dieser Ueberliefemng ist aber die des 
Tabart trotz aller Mängel und trotz der hohen Vorzüge, welche Fir- 
dausTs Gedicht als solches besitzt. 

Tabari hat in der Erzählung dieser Periode aber auch noch Berichte 
benutzt, welche nicht persischer Herkunft waren. Für die mit der Ge- 
schichte des persischen Reichs eng verknüpfte der arabischen Fürsten 
von Htra war seine Hauptautorität HiSäm b. Mtihammed, genannt Ibn 
alEelbt (f um 820), ein Mann, der wie sein Vater Muhammed b. Säib 
Kelbl (t 763/64) das allergröeste Verdienst um die Sammlung der zer- 
streuten Nachrichten über die Geschichte der alten Araber hat, so oft 
die moderne Kritik auch an der willkürlichen Systematik dieser beiden 
Männer Anstoss nehmen muss. Aus den zahlreichen grösseren und klei- 
neren Schriften des Ibn alKelbt, welche uns im Fihrist 96 sqq. aufge- 
zählt werden, lassen sich einige herausfmden, welche vermuthlich den 
betreffenden Stellen Tabari’s zu Grunde liegen 1 ). Eine zusammenhän- 
gende Schrift HiSäm’s bilden die Abschnitte , welche ich mit der Ueber- 
schrift »Geschichte von Htra" versehen habe; freilich hat Tabart hier 
gelegentlich einiges verkürzt. Uebrigens ist es sehr wohl möglich, dass 
Tabart manches von Ibn alKelbi herrührende secundären Quellen entlehnt. 
Auffallend ist, dass jener zuweilen selbst für die eigentliche persische 
Geschichte als Gewährsmann angeführt wird, nämlich bei ArdaSir I (s. 
unten S. 4), bei Pöröz (8. 117), bei Chosrau I (S. 168), bei Hormizd IV 
(S. 264. 268), bei Chosrau H (S. 352) und bei Jazdegerd IH (S. 358) *). 
Ein Werk von ihm über persische Geschichte wird nicht erwähnt. Ver- 
muthlich gab er aber gelegentlich bei der arabischen Geschichte Näheres 
Über die der gleichzeitigen Perser. Ein Secretär von ihm, ßrabala b. 
Sälim wird Fihrist 244 ult. als einer der Uebersetzer aus dem Persischen 
genannt; dieser versah ihn wohl mit Mittheilungen aus Pehlewt- 
feüchem *). 



1) So z. B. »das Buch über Jemen und die Geschichte des Saif" 
Fihrist 97, 2. 

2) Die Genealogie der persischen Könige, für welche er zuweilen ci- 
tiert wird, musste er bei den Synchronismen der Könige von Htra an- 
führen (»A, Sohn des B, war König von Htra x Jahre und zwar unter 
der Regierung des PerserkönigB C, Sohnes des D" u. s. w.). 

3) S. unten S. 475. 



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XXVIII 



Für die Geschichte der Araber jener Periode hat Tabari dann noch 
mancherlei andere Autoritäten benutzt, vornehmlich den Muhammed 
Ihn Ishäq (f 767 oder 768), der besonders als Biograph des Propheten 
bekannt ist. Direct und indirect ist in diesem Abschnitt von Tabarl's 
grossem Werk überhaupt noch sehr Verschiedenartiges zusammengeflossen. 

Es ist freilich zu wünschen und zu hoffen, das die Quellenkritik auf 
diesem Gebiete noch bedeutende Fortschritte machen werde. Aber das 
Wichtigste ist doch auch hier, die einzelnen Nachrichten je für sich 
nach Ursprung und Glaubwürdigkeit zu prüfen, wie ich das in den 
Anmerkungen zu thun strebe. 



NACHTRAG ZU S. 393 und 395. 



Nachdem der Druck dieses Buches fast abgeschlossen ist, sendet mir 
Hr. Dr. Ermann den Abdruck einer Peblewi-Münze des Kgl. Münzcabinetta 
in Berlin, welche nach ihrem ganzen Habitus aus der letzten Zeit den 
Reiches stammt , den Namen Chosrau , die Jahreszahl ztcei 

und die Prägstätte zeigt. Wie Hr. Dr. Ermann vermuthet, kann 
dies wohl nur Ckorezädh- Chosrau sein. In seine kurze Regierungszeit 
fiel also ein Neujahrstag hinein; das zweite Jahr, welches er hier zählt, 
ist vermuthlich das mit dem 16. Juni 632 beginnende also = dem ersten 
Jazdegerd's 111. Besonders interessant ist, dass er auf der Münze ganz 
bartlos dargestellt wird wie ArdaSir III und wie Jazdegerd III in seiner 
früheren Zeit. Er war also wie Letzterer ein von gewissen Machthabern 
mit dem Scheine der Gewalt bekleidetes Kind. Zu der Tradition stimmt 
dies sehr^wohl. 



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Als seit der Einnahme Babyloniens durch Alexander 
nach Rechnung der Christen und der Anhänger der 
älteren Offenbarungen 52B, nach Rechnung der Magier 
aber 266 Jahre verflossen waren l ), erhob sich ArdaUr J ), 
Sohn des Päbak §äh, Königs von Chir, Sohnes des jün- 
geren Säsän, Sohnes des Päbak, Sohnes des Säsän, 
Sohnes des Päbak, Sohnes des Mihrmas (?), Sohnes des 
Säsän ’), Sohnes des Königs Bahman, Sohnes des Spen- 



1) Das Ereiguiss, dessen Zeit bestimmt werden soll, ist nicht, wie es 
dem Wortlaut Dach scheinen könnte, die erste Erhebung ArdaSir’s, son- 
dern sein Sieg und der Untergang des Partherreichs. — Die syrischen 
Christen rechnen gewöhnlich nach der Soleucidenära , welche sie als 
Aera Alexandere betrachten. 523 Sei. wäre 2 I, /, 1 n. Chr.; das ist eiue 
falsche Reduction. Richtig giebt Agathias 4,24 nach einem syr. Gewährs- 
mann das Jahr 538 Alexanders = 2 26 / 27 n. Chr. Die »Magier” sind hier, 
wie gewöhnlich bei den Arabern, die altgläubigen Perser überhaupt 
(nicht bloss die Priester). Dass die Perser die Zeit zwischen Alexander 
und dem Siege ArdaSir's nur zu 266 Jahren rechneten , ist uns viel- 
fach bezeugt. 

2) Der Name, altpersisch ArtaMaihra (griech. in 'Aprec^ip^Q entstellt) 
wird in den Fels- und Münzinschriften auch der späteren Könige immer 
noch Artadäathr geschrieben, im Pehlewi der Bücher meist ArtacKHr, 
8. über diese und andre Formen des Namens die von mir übersetzte »Ge- 
schichte des ArtachSir Päpakän” (Kärnämak) S. 35. 

3) Fest steht durch Inschriften und Münzen, dass Ard, Sohn eines 
»Königs Päpak” (jüngere Form Päbak) war, obgleich grade dies in der 
beliebtesten pers. Tradition geleugnet wird, s. Kärnämak S. 22. Chtr 
ist ein Oertchcn in Pärs , s. unten S. 3. Anm. 2. Das wahre »Königreich" des 
Päbak ist nicht der ererbte Besitz, den er gehabt haben wird, sondern 
das Ergebniss seiner Eroberungen, s. unten. Ob nun Säsän (als Eigen- 
name eines Privatmannes im 4*«® Jahrhundert bei Wright, An anc. syr. 
Martyrology, 11 des Textes, 12 der Uebers.) wirklich Name des Gross- 
vators oder eines sonstigen Ahnen war, oder aber ob so bloss das Ge- 

1 



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2 



dijär , Sohnes des Biätäsp , Sohnes des Lohräsp ') , Sohnes 
des Kai Ogi (?) , Sohnes des Kai Manu§ *). Nach einer 
andern Angabe ist aber sein Stammbaum: Ardaäir — 
Päbak — Säsän — Päbak — Zarär — Behäfridh s ) — der ältere 
Säsän — Bahman — Spendijär — BiStäsp — Lohräsp. Er 

schlecht hiess, können wir nicht entscheiden. Auf alle Fälle ist anzu- 
nehmen, dass Ard. ebenso wie Cyrus und andre Gründer nationaler 
Reiche von altem Adel war. Die Ausfüllung des Stammbaumes durch 
2 weitere Päbak und 2 weitere Säsän hat natürlich keinen Anspruch auf 
Zutrauen; eher vielleicht der sonst nicht weiter vorkommende Name 
Mihrmas. Die richtige Aussprache des letzteren ist vielleicht Mihrsan , 
denn in einem leidlich alten Verse bei Mas. III, 164 findet sich (durch 
Metrum und Reim gesichert) »von dem Stamme Säsän’s und [dele mm] 
dem Stamme Mihrsan’s.” 

1) Zur Constatiernng der Legitimität wird der Stammbaum an die 
alten Sagenkönige angeknüpft, die Dynastie der Kam' 8 oder Kai 's , von , 
denen im Awestä mehrfach die Rede ist. Die hier gegeben Genealogie 

ist die allgemein angenommene. Für *Isfendijär" geben andre arab. 
Quellen ursprünglicher Isfendijädh (aus Spentadäta). Wüläspa lautet in 
neupersischer Umformung BUtäsp oder Gxätäsp . Lohräsp ist eine sehr auf- 
fällige Substitution für das alte Arwatäspa (resp. Auncatäspa); arab. Quel- 
len geben oft Bokräsp. 

2) Diese beiden Namen sind in alten Quellen bis jetzt nicht nach- 
weisbar. Die Aussprache des ersteren ist sehr unsicher. Hamza 86 hat 

Ich nehme das ^ als $m, weil in Spr. einmal steht; 

häf und $im deuten auf pers. g. Für Manul wird öfter Mantä geschrie- 
ben (die Pehlewi-Schrift giebt kurzes wie langes u , o durch toäu wieder). 

Es ist wohl die erste Hälfte von ManiMithra (ManoUhr ) , der freilich in 
der genealog. Reihe viel höher hinauf gesetzt wird. Mit Manul sind 
auch die Namen zweier Kinder des Früdhün zusammengesetzt, s. Bun- 
deshiSn 78 unten (wozu Spr. stimmt). Vater des Manuä ist nach den 
arab. Nachrichten Pisin\ die im Awestä (Iaät 13,182.19,71) angedeutete 
Verwandtschaft- dieses Pisina lässt sich durch jene genauer bestimmen, 
als bisher geschehen war (s. Z. D. M. G. XXXII , 570 ff.). 

3) Zarär wird identisch sein mit dem in einer Liste der Arsaciden 
aufgeführten Zarär. Ob vielleicht auch mit dem Bruder des WtStäspa, 
der im Awestä Zairiwairi (für Zariwart ), bei den Arabern Zarir heisst, 
und den man in dem Zaria[d]res des Chares von Mitylene (Athenäus 575) 
wiedererkannt hat? Uebrigens schwanken die Handschriften zwischen 
Zarär , Zarän und selbst Zarin . — Behäfridh ist ein auch noch später 
(z. B. Fihrist 344) gebräuchlicher Name jüngerer Bildung; so heisst in 
einer Liste einer der letzten Arsaciden. 



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erhob sich nun, wie er behauptete, um das Blut seines 
Vetters Därä, Sohnes des Därä, Enkels des Spendijär , 
zu rächen , den Alexander bekriegt und den seine beiden 
Kämmerlinge ermordet hatten. Wie er erklärte, wollte 
er die Herrschaft wieder an die legitime Familie brin- 
gen, jene so hersteilen, wie sie immer zur Zeit seiner 
Vorfahren gewesen war, die vor den Theilkönigen ge- 
lebt hatten , und das Seich wieder unter einem Haupte 
und einem König einigen '). Wie man sagt, ward er 
geboren in einem Dorfe Namens Tirüdih, das zum Gau 
von Chir und zum Kreise von Istachr gehörte ä ). Sein 
Grossvater Säsän war ein so tapferer und kühner Mann , 



1) Von den Achämeniden kennt die gewöhnliche per$. Tradition be- 
kanntlich nichts als die Namen zweier Därä ( Däräb , Däräw = Därajäw , 
Därajäwu} A aptfof); was sie von histor. Angaben über den letzten Dürft 
und über Alexander hat, ist auch erst aus dem griech. Alexanderroman 
geflossen (s. Kärnftmak S. 36). Die Identificierung de9 Bahman mit dem 
durch syr. Vermittlung aus griech. Chronographen bekannt gewordenen 
Artaxerxes Langhand ist eine gelehrte Willkühr. Die Herrschaft der 
Seleuciden und Arsaciden fassen die Orientalen als die der »Theilkönige” 
auf, welche den legitimen Zusammenhang der einheitlichen persischen 
Monarchie unterbrochen habe. Ard. stellt die Einheit wieder her und 
rächt durch Umsturz der von Alexander ausgehnden Ordnung das Blut 
seines Ahuen Darius (vgl. auch dazu das Kftrnftmak). In dieser Auffassung 
liegt Wahres und Falsches beisammen. — Die beiden Kämmerlinge, 
welche den Darius umbringen , sind Bessus und Ariobarzanes des Romans 
(Bessus und Nabarzanes der Geschichte). 

2) Istachr oder Stachr (s. Kftrnftmak 36) spielte im Sftsftniden reiche die- 
selbe Rolle wie das unweit desselben gelegne Persepolis im acHämenidi- 
schen. — Chir (oben S. 1) liegt am südlichen Ufer des grossen Salzsees 
(0. von Sclürftz); vrgl. darüber Ouseley, Travels II, 171 sqq. Ueber 
Tirüdih habe ich nichts ermittelt. Die Aussprache ist nicht ganz sicher. 
Es scheint Übrigens der Ort zu sein, von welchem der Fluss Nähr lirzeh (?) 
(Ist. 99. 121) seinen Namen hat. — Die Richtigkeit der Angabe im Text 
ist nicht anzuzweifeln. Auch die eigentliche Heimath der Arsaciden 
wurde in Ehren gehalten (Isidor Char. § 11). — Pftrs (die eigentliche 
Persis) wurde eingetheilt in 4 oder 5 »Kreise” (arab. Küra % d. i., das 
durch 's Syrische zu den Arabern gekommene x&P*> persisch wahrschein- 
lich fahr [das erst im Nenpersischen die Bedeutung »Stadt” bekommen 
hat]). Ieder Kreis zerfiel wieder in mehrere »Gaue” ( rustäk ). Die ande- 
ren Provinzen waren in entsprechender Weise eingetheilt. 



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4 



dass er einst ganz allein mit 80 starken und tüchtigen 
Männern von Istachr kämpfte und sie in die Flucht 
schlug. Seine Frau stammte aus dem Hause der Bäz- 
rangi'), einem Königsgeschlecht in Pärs; siehiessKäm- 
behi§t und war ein schönes, ausgezeichnetes Weib. 
Säsän war Vorsteher eines Fenertempels in Istachr, 
genannt „der Feuertempel der Anähedh” *) , zugleich 
ein eifriger Jäger und Ritter. Diesem gebar Rambehiät 
den Päbak; der hatte schon bei seiner Geburt Haare 
länger als eine Spanne ’). Als er erwachsen war, folgte 
er seinem Vater in der Regieiung der Leute. Darauf 
ward ihm sein Sohn ArdaSir geboren. König von Is- 
tachr war damals ein Mann von den Bäzrangi J ), der 
nach einer auf Hiääm b. Muhammed (Kelbi) zurück- 
gehnden Nachricht Gözihr 4 ) nach Anderen Guzihr hiess. 
Derselbe hatte einen Eunuchen Namens Tirö Ä ) , den er 



1) Die Aussprache Bäzrangi ist nicht sicher. Der Name ist vielleicht 
identisch mit dem der Gebirgsgegend im westlichen Pärs Bäzrang (Ist. 
112. 119 u. s. w.); es wäre dann Geschlechts- und Gauname. Die Bäzrangi 
scheinen im Namen des parthischen Grosshern mehr oder weniger un- 
abhängig über die kleinen localen »Könige” geherrscht zu haben. Ihnen 
gehören wohl die jüngeren »persepolitanischen” Münzen an, welche auf 
die dunkle Geschichte des abgelegnen Landes in dieser Periode ein spär- 
liches Licht zu werfen beginnen (s. besonders Mordtmann in der Berliner 
ZtBchr. f. Numismatik IV, 152 ff.). — Die Abstammung Ard.’s von diesem 
Geschlecht durch seine Mutter ist wohl nur zum Zweck nachträglicher 
Legitimierung erdichtet. 

2) Anähedh , Nähedh (reimt auf ck w arUdk Wes u Rämtn 109) ist nach 
jüngerer Auffassung der Stern Venus. In Tempel der Göttinn Nähet 
(noch mit t) in Istahr (so) wurden um’s Jahr 340 die Köpfe christlicher Mär- 
tyrer aufgehängt (Martyr. ed. St. E. Assemani I, 95 vrgl. 93). S. noch 
unten S. 17. Die Beziehung Ard.’s zu diesem Heiligthum wird richtig 

ein; doch liegt der Ueberlieferung natürlich zu viel daran, seine Familie 
als eine zugleich königliche, heldenhafte und priesterliche darzustellen, 
als dass man sich auf die Einzelheiten vei lassen dürfte. 

3) Vorbedeutung auf Macht und Grösse. 

4) Aeltere Formen des Namens sind GöZithr, GöZihr. Jene Gestalt zeigt , 

wie Dr. Andreas gefunden hat, der Name eines früheren Königs der 
»Perser” Ps. Lucian , Macrobii c. 15. 

5) Der Name ist gewiss derselbe wie der des T/jpoioe, Königs von Cha- 



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0 



zum Commandanten von Däräbgerd ’) gemacht hatte. 
Als Ardaäir nun 7 Jahr alt war , begab sich sein Tater 
mit ihm zu Gözihr, der in Baidä *) lebte, stellte ihm 
seinen Sohn vor und bat ihn, er möge ihn dem Tire 
beigeben, dass er ihn erziehe und er nach ihm an sei- 
ner Statt Commandant werde. Der König ging darauf 
ein und schrieb ihm darüber eine Bestallung. Darauf 
brachte ihn der Vater zu Tirö, der ihn auf’s beste 
empfing und zum Sohn annahm. Nach Tire’s Tode über- 
nahm also Ardaäir sein Amt ") und verwaltete es gut. 
Da theilten ihm etliche von den Sterndeutern und Wahr- 
sagern mit, dass er unter glücklichen Zeichen geboren 
sei und dass er die Länder ’) beherrschen werde. Darob, 
erzählt man *) , ward Ardaäir gar demüthig und machte 
täglich Fortschritte in allem Guten. Da sah er einst 



racene (Macrobii c. 16 und auf Münzen), nach welchem der Tirö-Fluss" 
(oder »Canal") Nahr-Tire in Supiana benannt sein wird (s. Jaq. s. v.). Tire* 
heisst aach ein pers. Märtyrer im 4. Jahrhundert, Wright , Martyr, 10 paen. 

1) Argabedh »Castellherr" ist in jener Zeit ein sehr hoher Titel, 
8. Z. D. M. G. XVIII , 89 ; Lagarde , Seraitica 43. Es bedeutet wohl den 
Befehlshaber der Truppen des Districts, nicht den blossen Festungcom- 
mandanten. — Däräbgerd ist Hauptstadt eines der Kreise von Pärs. Der 
Ort (heute bloss Däräb genannt) liegt aut der Ostseite der Provinz an 
der Gränze von Kermän. 

2) Baidä »die Weisse” ist arab. Uebersetzung des pers. Dar i spedh 
»Weissenthor" (oder wohl eher Diz i spedh »Weiasenburg"). Die Stadt, 
welche eigentlich Nesä oder Nesäjak hiess, lag etwa 6 deutsche Meilen 
nördlich von §iräz, Nach unserm Text gehörte sie zum Gebiete von 
Däräbgerd , während die Geographen sie zum Kreise Istachr zählen , vrgl. 
Ist. 126 und Addenda; Ibn Hauqal 197; Mqd. 24; Ibn Chordädhbeh 55; 
Jaq. s. v. 

3) Er ward also Argabedh . So erklärt es sich, dass das königliche 
Geschlecht noch gegen 600 hin 6 'Apyaß/$tis (so lies für 'Apra!) Aryöpuvos 
IfffMC hiess Theophylact 3, 18 und das9 unten (s. bei Bahräm Gör gegen 
Ende) dieser Titel als der allerhöchste militärische gilt. 

4) »Die Länder" ( albiläd ) steht in den arab. Bearbeitungen der Pehlewl- 
Texte wahrscheinlich für Ärärüahr »das ganze Land Irän" oder bloss Uran. 

5) Das öftere Einfügen von »so sagen sie" ist, wie das Kärnämak 
zeigt, eine Eigenthümlichkeit des erzählenden Stils im Pehlewi, beson- 
ders bei sehr wichtigen oder auffallenden Dingen. 



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6 



im Traum einen Engel ') sich zu Häupten sitzen, der 
ihm verkündete, dass Gott ihm die Herrschaft über die 
Länder J ) gebe; er möge sich dazu anschicken. Beim 
Erwachen war er darüber erfreut und empfand in sich 
eine Kraft und Kühnheit, wie er solche früher nie ge- 
kannt hatte. Seine erste That war , dass er nach einem 
Ort Namens Göpänän *) im Kreise Däräbgerd zog und 
dessen König Päsln *) tödtete. Darauf zog er nach einem 
Ort Namens Könus (?) 5 ) und tödtete den dortigen Kö- 
nig Manööihr ®), dann nach einem andern Ort Namens 
Lurwir (?) s ) und, tödtete den dortigen König Därä 7 ). 
An allen diesen Orten setzte er seinerseits Leute als 
Regenten ein. Darauf schrieb er seinem Vater, was 



1) lm Pehlewi-Original stand gewiss SröS. 

2) Siehe Seite 5 Anm. 4. 

3) Göpän »Rinderhirt 11 oder Göpänän » Rinderhirten” hiessen verschie- 
dene Orte, 8. Jaq. unter $ im und unter käf, Vielleicht ist es das Dorf 
22 Parasangen (ungefähr 16 deutsche Meilen) von Istachr auf dem Wege 
nach Kermän Ist. 100. 131 ; Ihn Hauq. 200. 

4) Der Name ist wohl derselbe wie der des Pistn in der Sage »welcher 
bei den Arabern auch zuweilen mit ä geschrieben wird (z. B. bei Spr.); 
8. oben S. 2 Anm.. 2. 

5) Aussprache und Lage ganz unsicher. 

6) Dieser Name , den Mordtmann wirklich auf vorsäsänidischen Münzen 
der Persis gefunden hat (Berliner Zeitschr. f. Numismatik IV, 180 ff.) 
ist der Mythologie entlehnt. So ( Manaöihr ) heissen auch einige Armenier 
(z. B. Moses Chor. 3,6), und wohl mit Recht hat de Sacy den Parther 
Mamsaros ebenso erklärt (s. Saint-Martin , Rech, sur la Mfoäne 236); 
weniger wahrscheinlich ist diese Deutung bei Montses , und der Name 
Mwrvx/fffe Macrobii 16 fällt ganz weg, da der betreffende Partherkönig 
auf einer Münze Kativeeruip tyc heisst, s. Gardner, the Parthian coinage VI, 25. 

7) Dieser Name ist also im Stammlande der Achämeniden lebendig 
geblieben. So las ich auch auf Münzen, die dorther stammen (Z. D.M.G. 
XXI, tab. II nr. 2. 3. 4), Vltf"!, Därajäw also eine noch ursprüng- 
lichere Form, noch ehe ich wusste, dass Mordtmann, dem viele Exem- 
plare zu Gebote standen, ebenso entziffert hatte (a. a. O.). Auch die 
Stadt Däräbgerd wird von einem solchen Kleinkönig Darius benannt sein , 
da Städtenamen, aus Personennamen mit karta , gerd gebildet, kaum 
vor Alexander Vorkommen. Besonders beliebt blieb in Pärs der andere 
achämenidische Name ArtaMathr -lnanm« auf Münzen; 

Macrobii c. 15. * 



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7 



er gethan , und forderte ihn auf, sich gegen Gözihr, 
der in Baidä war, zu erheben; das that er, tödtete 
# den Gözihr und nahm dessen Krone '). Dann schrieb 
er (Päbak) an Ardawän den Pahlawi, König des Berg- 
landes (Mediens) und der angränzenden Länder *) , und 
bat ihn ganz unterthänig um Erlaubniss, seinen Sohn 
Säpür mit der Krone Gözihr’s zu krönen s ). Allein 



1) Die Erzählung setzt einen solchen Zastand der Zerfahrenheit in 
Pärs voraus , dass es nicht erst einer himmlischen Berufung bedurfte , 
um einen ehrgeizigen , thatkräftigen Mann auf den Weg der gewaltsamen 
Erhebung zu treiben. Aehnliche Zustande fand übrigens noch Fraser im 
Anfang unseres Jahrhunderts in Choräsän, wo die Autorität des Gross- 
königs nicht viel höher galt als die des Ardawän damals in Pärs und 
sich die einzelnen Häuptlinge so selbständig gegen den Prinzen-Statt- 
halter benahmen wie Ardaäir gegen Gözihr. Ob diese kleinen Local- 
fürsten übrigens den Titel »König” (Säh) geführt haben, ist sehr zwei- 
felhaft. Die Araber haben nicht so viele Ausdrücke für »Fürst”, »Häupt- 
ling” u. s. w. wie das Peblewi. Münzen haben auch wohl nur die 
Könige geprägt , welche die Herrschaft über das ganze Land beanspruch- 
ten (die Bäz rangt). — Woher mögen nun aber wohl die eingehnden 
Angaben über diese und andre Thaten Ardaätr’s stammen, von dessen 
Nachfolgern die Araber doch so wenig historisches zu sagen wissen? Dr. 
Andreas vermuthet, dass sie aus der Inschrift von Päi Kült herausgelesen 
seien; das würde ihre Genauigkeit und allenfalls auch einige Irrthümer 
erklären. Da jene Inschrift aber noch so gut wie unediert ist (denn 
Thomas, Early Sas. inscr. 38 sqq. kann nicht als Edition gelten), so 
muss diese ^ermuthung einstweilen auf sich beruhn bleiben. 

2) Artabän ist der letzte parthische Grosskönig. Ueber den Namen vrgl. 
Kärnumak S. 36. "Pahlawi ist, wie grade aus dieser Stelle am deutlich- 
sten hervoigeht, = Parthawik, der Parther; s. J. Olshausen, »Parthava 
u. Pahlav” (ans d. Monatsber. d. Ak. d. Wiss. in Berlin) 1877; Z.D.M.G. 
XXXI, 557. Die pers. Tradition fasst die Arsaciden — nicht unrichtig, 
aber auch nicht ganz richtig — als das mächtigste Geschlecht der 
»Theilkönige”, welches seinen Hauptsitz in Medien, speciell in Ragae 
(Bai) gehabt habe. 

3) Hieraus so wie aus dem Folgenden ergiebt sich also , dass ArdaSir selbst 

innerhalb seiner Familie ein Usurpator war. — Ueber den Namen &äpür 
8. Kärnämak 60 f. Obgleich Griechen und Römer Sapor , u s.w. 

mit o schreiben, deuten doch alle Zeichen darauf, dass die Perser Sdpür 
mit ü sprachen; so reimt (des Verszwanges wegen verkürzt aus 

auf dür Wös u Rämin 7, und »Sohn”, womit zu- 

sammengesetzt ist, reimt auf dastür Fird. (ed. Vullers) I, 17 v. 54, — ■ 



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8 



Ardawän schrieb ihm einen ungnädigen Brief und er- 
klärte, dass er und sein Sohn Ardaäir als Aufrührer 
gehandelt hätten , da sie die Männer umgebracht. Päbak 
kehrte sich aber nicht daran. Als er nun in jenen Tagen 
starb, liess sich sein Sohn Säpür krönen und ward an 
seines Vaters Statt König. Als solcher schrieb er an 
Ardaäftr, er möge sich zu ihm begeben; dieser aber 
weigerte sich. Da ergrimmte Öäpür , sammelte ein Heer 
und zog damit zum Kampf wider ihn. Als er nun aus 
Istachr ') [ausgezogen war und sich im Bau der Chumäi 
auf der Strasse nach Däräbgerd niedergelassen hatte *), 
fiel ein Stück des Gebäudes auf ihn herab und tödtete 
ihn. Sobald Ardaäir die Kunde vernahm, zog er gen 
Istachr] '); dort traf er eine ganze Anzahl seiner Brüder, 
die ihm , obgleich einige von ihnen älter als er waren , 
allesammt Thron und Krone anboten , so dass alles sein 
wurde. Als er nun gekrönt war und den Thron be- 
stiegen hatte, da zeigte er sofort Kraft und Eifer, 
setzte einige Leute in bestimmte Würden ein 3 ), machte 



Gözihr erscheint hier noch deutlicher denn oben als Vasallenkönig von 
P&rs oder doch einem grossen Stück davon, mit vielen kleinen Häupt- 
lingen darunter. 

1) Der Inhalt der Klammerest von Tabari selbst aus Versehen ausge- 
lassen ; ich habe ihn ergänzt aus Spr., welcher dieselbe Quelle ausschrieb. 

2) Chumäi ist eine auch im Awestä (laSt 13, 189) als Humä erwähnte 
mythische Frau. Sie spielt in der späteren pers. Sage eine ähnliche 
Rolle wie Semiramis. Ihr werden (bei Tab.; Hamza 31 ; Din.; Mas. IV, 76) 
namentlich 3 grosse Bauten nicht weit von Istachr zugeschneben ; der 
hier genannte Palast soll 1 oder 2 Parasangen davon entfernt gewesen 
sein. Es handelt sich jedenfalls um achämenidische Bauten (Mugmil bei 
Ouseloy, Travels II, 360 schöpft, wie gewöhnlich, aus Bamza). 

3) Das Rang- und Titelwesen, zu dem die Perser von Haus aus viel 
Neigung haben, wie sich schon aus der Achämenidengeschichte eigiebt, 
ist unter §äpür II schon ausgebildet, s. die syr. Märtyreracten. Doch 
ist dies wahrscheinlich unter Einfluss der ähnlichen Einrichtungen im 
römischen Reich geschehen, die bekanntlich seit Diocletian immer mehr 
hervortreten. Dass schon ArdaSlr umfassende Anordnungen auf diesem 
Gebiete gemacht habe, bleibt immerhin etwas zweifelhaft. Die Angaben 
bei Mas. II, 153 sq.; 156 sqq. sind nicht ganz klar. Die Einsetzung von 



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9 



einen Mann Namens Abarsäm ') zum Buzurgframadhür s ) 
und bekleidete ihn mit grosser Gewalt, und machte 
einen anderen Namens Pahr (?) zum Ober-Möbedh *). 
Darauf merkte er, dass seine Brüder und einige andre 
Leute in seiner Nähe einen Anschlag gegen ihn mach- 



4 C1&88en durch ArdaSir erwähnt auch Ihn Moqaffa* in Ihn Qotaiba’s 
*Ojün al-achbär (cod. Petrop.); vielleicht handelt es sich .da aber eigent- 
lich um die uralten 3 oder 4 Stände (Priester; Krieger; Ackerbauer, 
neben welchen noch zuweilen die Handwerker genannt werden; eine 
Ifodification davon in dem angeblichen Briefe Ardasir’s Mas. II, 162, der 
sich auch in den ( Ojün al-achbär findet). Auf alle Fälle spielen die , meist 
erblichen, Ränge und Titel im Säsänidenreich eine bisher lange nicht 
genug gewürdigte Rolle. Die pers. Bezeichnung des Ranges war ver- 
muthlich pä/ak , päja (ar. martaba; sjr. dargä s. Martyr. 1,34; gr. &%tupa). 

1) Der Name » Apersam ” findet sich bei Armeniern s. Moses 3, 56; 
Elisäus (Langlois II), p. 215 zz Lazarus eb. 300. 

2) Tab. selbst hat diese Stelle misverstanden und entstellt; ich über- 
setze nach Spr. — Die arab. Schreibung d68 Titels steht 

durch viele Stellen bei Tab., Spr., Ja‘qübi fest, vrgl. auch Mas. (II, 218 
und) IX, 374 und Fihrist 815,21. Die Erklärung farmdndar , auf welche 
auch ich, wie manche Andre vor mir, gekommen war, ist also 9 chon 
formell unhaltbar, wie denn ein solches Wort auch kaum etwas anderes 
bedeuten könnte als den »Gehorsamen' 9 , was als Titel des höchsten Mi- 
nisters (so wird es an mehren der genannten Stellen erklärt) nicht be- 
sonders passte. Die genau entsprechende armen. Form bei Elisäus (ed. 
Venet. pg. 20) ist Wzruk Hromatar , welches Patkanian (j. as. 1866, 1, 144) 
mit Unrecht abändert. Mit farmüdhan lässt sich der Titel überhaupt 
nicht zusammenbringen, denn dann müsste es framüdhdr oder doch 
framddhdr heissen. So viel ich sehe , kann er nur von matan (np. 
[ d]madhan ) »kommen" abgeleitet werden; das einfache malär »kommend" 
findet sich im Pehlewt-Text des Minoch. S. 11,13 (Päzandtext 2, 115 
madetr ). Wzurg-framatdr , np. buzurg-farmadhdr wäre also der » Gross- 
Yorani Vommer” d. h. wohl der, welcher sich als Oberster dem König 
zuerst naht. »Voran gehn'\ woran man leicht denkt, kann framatan 
nicht heissen. 

3) Mobedhdn mdbedh ; phl. magupatdn magupat »Oberpriester der 
Oberpriester" (s. Kärnämak S. 59). Dass sich ArdaSir, sei es aus Ueber- 
zeugung, sei es aus Berechnung, der heimischen Religion mit besonde- 
rem Eifer annahm, ist eben so gewiss, wie es falsch ist, anzunehmen, 
dass diese vorher gradezu unterdrückt gewesen sei. Der verfolgungs- 
süchtige pers. Clerus spielt hinfort, gewöhnlich im Bunde mit dem 
hohen Adel, eine gewaltige Rolle im Staat. 



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10 



ten; da tödtete er eine grosse Menge von ihnen '). 
Dann hörte er, dass sich die Bewohner von Däräbgerd 
gegen ihn empört hätten ; er wandte sich daher 
wieder dorthin und nahm die Stadt ein, nachdem er 
viele von den Bewohnern umgebracht hatte. Hierauf 
zog er nach Kermän, wo ein König Namens Balä§ 
war ’). Nach einem heftigen Kampfe, an welchem er 
persönlich Theil genommen hatte, nahm er ihn gefan- 
gen, bemächtigte sich der (Haupt-)Stadt und machte 
einen seiner Söhne, welcher gleichfalls Ardaäir hiess, 
zum Statthalter von Kermän 5 ). Es war aber an der 
Küste des persischen Meeres ein König Namens Asta- 
wadh (?), dem man göttliche Ehre erwies; gegen den 
zog Ardaälr, tödtete ihn, hieb ihn mit seinem Schwert 



1) Hier wird also die Ermordung der Brüder ziemlich deutlich ausge- 
sprochen, und der Verdacht liegt sehr nahe, dass ArdaStr auch hei 
der göttlichen Fügung, welche seines Bruders Säpür Tod herbeiführte, 
die Hand im Spiele hatte. Ein merkwürdiger Contrast zwischen den 
wirklichen Thaten des blutigen Eroberers und der ihm später beigelegten 
Bolle des weisesten Begenten! 

2) Kermän bildet gewissermassen nur ein Nebenland von Pärs. Aeltere 
Formen von Baldh sind Walä & , pjVi, Vologesus u. s. w. s. Z. D. M. G. 
XXVIII, 94 ff. Die dort S. 96 Anm. 1 als möglich angenommene Form 

• • • ® ^ ^ 
mit anlautendem g habe ich inzwischen im Namen des Dorfes 

bei Marw Jaq. IV, 297 wirklich gefunden; pers. lautete dieser Name 
gewiss Gulähgerd . — Wir Bind also berechtigt, diesen Baiäs mit dem 
Vologesus zu identificieren , von welchem bis zum Jahre 2 27 / M Münzen 
Vorkommen und von dem Mordtmann (Chronol. d. Sassaniden 8. 4) an- 
nimmt, dass er sich noch nach dem Fall des Artabän in den östlichen 
Theilen des Reichs einige Zeit gehalten habe. Unsere Erzählung setzte 
dann diesen Feldzug zu früh. Von diesem Vologesus könnte die Stadt 
Wald&gerd im südwestl. Kermän (Ihn Hauqal 226 , 8 u. s. w.) ihren Na- 
men haben. 

3) Damit hängt vielleicht zusammen die Erbauung der Stadt Weh - 
ArtachMr ~ Beh Ardahlr , woraus die Araber Bardasir , die Einwohner 
(mit gu für toe) Gucüür machten; sie liegt zwei Tagereisen nördlich von 
der Hauptstadt s. Jaq. I, 555; Hamza 46; Ihn Hauq. 225 u. s. w. Viel- 
leicht ist auch Narmdkr (noch heute bekannte Stadt in Kermän) eine 
Zusammensetzung mit Ardahir. 



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11 



in zwei Theile , tödtete auch seine Umgebung und holte 
aus ihren Schatzkammern viele dort aufgehäufte Schätze 
hervor *). Dann schrieb er an Mihrak, König von 
Abarsäs (?) im Kreise Ardaäir-Churra , und einige seines 
Gleichen, sich ihm zu unterwerfen, zog gegen sie, als 
sie das nicht thaten, und tödtete den Mihrak *). Dar- 
auf begab er sich nach Gör, gründete die Stadt und 
fing an , den Palast , den man Tarbäl nennt , sowie 
einen Feuertempel zu erbauen *). Während er nun 
damit beschäftigt war, kam zu ihm plötzlich ein Ge- 
sandter vom König Ardawän mit einem Brief von ihm. 
Ardaäir liess die Leute ‘) deshalb Zusammenkommen 
und las ihn in Aller Gegenwart vor; da stand darin: 
„du hast dein Maass überschritten und dein Geschick 
selbst herbeigezogen , o du Kurde , der du in den Zelten 



1) Dies ist die erste, rationalistisch zurecht gemachte Gestalt des 
Kampfes mit dem als Gott verehrten Drachen , welchen das Kärnämak und 
(danach) Fird. ausführlich erzählen. »Astawadh” oder, wie man aus- 
sprechen will, beruht auf falscher Lesung und weiterer Entstellung des 
Pehlewi-Namens Haftänbocht (bei Fird. Haftwädh). 

2) Die Geschichte des Mihrak (ältere Form Mithrak) hängt einerseits 
mit dem Drachenkampf, andrerseits mit der Geschichte von der Erzeu- 
gung des Hormizd zusammen; s. K&rnämak und unten. Das Kärnämak 
nennt den Wohnsitz Mihrak's nicht; Tabari’s Abarsäs beruht wohl auf 
einem Missverständniss. Willkürlich setzt Fird. den Mihrak nach Cahram 
(»Dscharun” der Karten). — ArdaSir-Churra »ArdaSir-M^jestät” ist der 
Name , welchen Ardaftr der Stadt Gör und ihrem Kreise gab ; s. das Folgende. 

3) Der Name der Stadt ist nach Hamza 46 identisch mit dem Worte, 
das »Grube” bedeutet, also Gor (nicht Gür) zu sprechen. Später erhielt 
die Stadt den Namen Perozäbädh , in jüngerer Aussprache Pirüzäbäd oder 
Fbräzäbäd , wie sie noch jetzt heisst. — Tarbäl scheint »Thurm” zu be- 
deuten; s. Jaq. III, 525; Vullers I, 431; Mas. IV, 78 und die arab. 
Lexica. — Die Anlagen und Bauten Arda&r's in dieser Stadt hebt auch 
das Kärnämak hervor. Vrgl. noch Mas. IV, 78; Ist. 124 oben. Röste 
von Bauten, welohe wenigstens zum Theil auf ArdaSir zurück gehn wer- 
den , sind abgebildet bei Flandin PI. 35 ff. 

4) Unter »den Leuten” hat man in diesen Berichten persischen Ur- 
sprungs durchweg nur die Adlichen und Vornehmen zu verstehn. Es 
bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass diese Briefe und Reden freie 
Schöpfnngen der PehlewS-Schriftsteller sind. 



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12 



der Kurden aufgezogen bist ’). Wer hat dir denn er- 
laubt, die Krone aufzusetzen, dich der Länder zu be- 
mächtigen , ihre Könige und Bewohner zu unterwerfen ? 

wer hat dir befohlen , in der Ebene von ’) die 

Stadt zu erbauen ?” — nämlich Gör — „Wenn wir dich 
freilich ruhig weiter bauen lassen, dann baue nur eine 
Stadt auf einer Fläche von 10 Parasangen Ausdehnung 
und nenne sie Räm-Arda§ir” s ). Sodann theilte er ihm 
mit, dass er den König von Ahwäz ') ausgesandt habe, 
um ihn in Fesseln vor ihn zu bringen. Diesen Brief 
beantwortet Ardaäir folgendermaassen : „Gott hat mir 
die Krone geschenkt, die ich aufgesetzt, mich zum 
König der Länder gemacht, die ich eingenommen, und 
mir gegen die Machthaber und Könige geholfen, die 
ich umgebracht habe. Was nun die Stadt betrifft , die 
ich erbauen und Räm-Ardaäir nennen soll, so hoffe ich, 
dass ich dich in meine Gewalt bekommen und deinen 
Kopf sammt deiner Habe nach dem Feuertempel schi- 
cken werde , den ich in Ardaäir-Churra angelegt habe” *). 
Darauf begab sich ArdaSir nach Istachr; als er kurze 
Zeit da gewesen, langte von Abarsäm, den er in Ar- 
daäir-Churra zurückgelassen hatte, ein Brief mit der 
Meldung an, dass der König von Ahwäz wirklich er- 
schienen sei, aber sich auch schon, (von ihm) geschla- 



1) Der Kurde war und ist der Inbegriff aller Uncultur. Auf die Be- 
wohner von Pärs passte damals wieder die Schilderung Herod. I, 71. 

2) Tab. hat den Eigennamen wegelassen; Spr. hat 

3) Ironisch : wenn ich gutmüthig zusehe , so kannst du die ausschwei- 
fendsten Pläne ausführen, aber das wird nicht geschehn. Räm-ArdaSir 
heisst »Froh-ArdaStr”. 

4) Chüzistän» Susiana, das Land, welches Pärs im W. begränzt. Ueber 
die Namen das Landes s. Gött. Nachrichten 1874 nr. 8 S. 182 ff., wo 
noch einiges nachzutragen wäre. Ueber die Vasallenkönigs des Landes 
b. eb. 191 ff. 

5) D. h. : ich brauche nicht erst noch eine nach mir benannte Stadt zu 
erbauen; eine solche existiert schon und soll mit den Zeichen deines Un- 
tergangs geschmückt werden. 



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13 



gen , wieder zurückgezogen habe. Dann ging Ardaäir, 
nach Ispahän, nahm dessen König Sädh-Säpür gefangen 
und tödtete ihn '). Darauf nach Pärs heimgekehrt, 
rückte er aus zum Kampf wider Niröfarr (?) , den Für- 
sten von Ahwäz. Er zog über Aragän, über Sambil 
und Täään, welche zu (dem Kreise von) Räm-Hormizd 
gehören, nach Surrak *). Als er soweit gekommen 
war, .ritt er mit einigen seiner Leute bis zum kleinen 
Tigris, nahm die (dort gelegne) Stadt ein und erbaute 
(an ihrer Stelle als Neugründung) die Stadt Süq al Ahwäz 3 ). 
Dann kehrte er mit der Beute nach Pärs zurück. Zum 
zweiten Mal zog er von Pärs nach Ahwäz auf dem 
Wege über Gireh und Käzerün *) und von dort weiter 
nach Maiään, wo er den König Bandu (?) tödtete und 
die Stadt Karach-Maiään erbaute *). Noch einmal kehrte 



1) Hier bricht er zum ersten Mal in ein von Pärs geographisch ganz 
getrenntes Gebiet. Von »Königen" von Ispahän wissen wir sonst nichts. 
Sädh-§äpür »Frob-§äpür" sieht mehr wie ein Stadt- als wie ein Perso- 
nenname aus; oder könnte hier Sädh eine ältere Form von Sah »König" 
(ursprünglich chläjathya ) sein? 

2) Aragän ist eine im Mittelalter viel genannte Gränzstadt von Pärs 
gegen Ahwäz, deren Trümmer de Bode (Travels in Luristan I, 295 sqq.) 
neben dem heutigen Behbehän gefunden hat. Die anderen Orte liegen 
schon in Ahwäz. Räm-Hormizd (s. unten) und la&än (jetzt Ta&ün, s. de 
Bode 1. c. 344 s^q.) existieren noch jetzt; Surrak ist der Bezirk, in 
welchem Dörak (weiter nach SW) liegt. Der Name Sambil (eine Tage- 
reise von Aragän) ist nicht sicher. 

3) Der »kleine Tigris" (arab. Dufiail = Pasitigris) ist der Kärün. Süq al Ahwäz 
»der Markt von Chüzistän" ( Chü^istän-wa^är , neupersisch Chüzistän-bazär) 
ist die Stadt, die gewöhnlich schlechtweg Ahwäz heisst. ArdaSir schal- 
tet und waltet also als Herr in Susiana, dessen König schon als besei- 
tigt zu denken ist. 

4) Beide Orte noch jetzt nicht weit von §iräz. Bei den Geographen öfter 
znsammengenannt , auch als Stationen hinter einander , s, z. B. Ist. 1 35 
alt.; Mqd. 456, 10. 496, 12. 

5) Matlän oder Mehän Mtrynt, arab. Maisän war bekanntlich ein klei- 
ner Staat in der Gegend von Basra am untern Tigris, welcher Staat je 
nachdem in grösserer oder geringerer Abhängigkeit von den Parthern ge- 
gestanden haben muss. Der Hauptort war »die Stadt des Spasines" 
MDfiDX *yD (Pulmyr. Inschr. von 151 n. Chr.) SvariVw , auch 



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H ' 

er nach Pärs zurück, sandte dann aber an Ardawän 
die Aufforderung, für sie beide einen Ort zum Kampf 
zu bestimmen. Dieser erwiederte: „ich will dich tref- 
fen in einer Ebene, welche Hormizdagän heisst, am 
Letzten des Mihr-Monats” '). Da langte nun Ardaäir 
schon vor der bestimmten Zeit an *), zog, nachdem er 
in der Ebene eine passende Stellung eingenommen, um 
sich und sein Heer einen Graben und besetzte eine 
Quelle dort. Als dann auch Ardawän ankam, stellte 
sich das Heer in Schlachtordnung. Säpür aber, Ardaäir’s 
Sohn, war bereits vorgerückt, ihn zu schirmen; es 
kam zum Kampf, und Öäpür tödtete mit eigner Hand 
den Dädhbundädh , Ardawän’s Schreiber 5 ). Dann fuhr 
Ardaäir selbst aus seiner Stellung auf Ardawän los und 
tödtete ihn ; eine grosse Zahl seiner Gefährten fiel , und 



wohl echlecbweg »die Stadt" tO"D (Palmyr. Inschr. von 193 n. Cbr.) 

genannt. Damit ist Karach- Maisän »die Stadt von M." identisch. 
Die »Erbauung" derselben durch ArdaSir kann in gewissem Sinne immer- 
hin richtig sein. Dass der Staat Mesene das parthische Reich überlebt 
habe, ist eine ganz falsche Ansicht von Saint-Martin (Rech, sur la Chara- 
c6ne 255 f.) ; die Macv^etvlTcu , mit denen Julian zu tbun hat, können schon 
aus geographischen Gründen nicht die Bewohner von Mais&n sein (es 
sind die Bewohner von M&hözä bei Seleucia). Der von Tab. genannte Königs- 
name ist sehr unsicher; mit keinem der aus Münzen und Schriftstellern 
bekannten hat er besondere* Aehnlichkeit. — Verschieden von diesem 
Staate dürfte der von KaSkar (arab. Kaskar), weiter nördlich in den 
Sumpfgegenden von Wäsit, sein, wo nach Spr. (S. 63) ArdaSir den noch 
von der Chumäi eingesetzten König Aqfür (entstellt aus Afqür , Pakör ), 
Sohn des Baläl tödtete , nachdem er Jahrhunderte lang geherrscht hatte , 
oder doch einen Nachkommen desselben. Zu beachten sind hier die par- 
thischen Namen. 

1) Statt Hormizdagän sollte ich vielleicht Hormizd-$än schreiben. Din. 
hat den Namen mit rf, Tab. und Spr. ohne d. Die Lage des Ortes, wo 
die Entscheidungsschlacht Statt fand, ist leider ganz unbekannt. Mihr 
ist der 7 l « Monat des pers. Jahres. — Darf man vielleicht das drei 
malige Hervorbrechen Arda&r's aus Pars nach Westen mit den 3 Schlach- 
ten zu8ammenBtellen , in welchen er die Parther geschlagen hat (Dio 
CassiuB in fine zz Zonaras 12, 15)? 

2) Also kein redliches Spiel! 

3) Weil er jenen beleidigenden Brief geschrieben hatte. 



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15 



die übrigen flohen davon. Man erzählt, Ardaäir sei 
abgestiegen und habe Ardawän’s Kopf mit Füssen ge- 
treten. An dem Tage bekam er den Titel &ähdn-&dk '). 
Darauf zog er von dort nach Hamadhän und nahm es 
mit Gewalt ein, ebenso das übrige Bergland, Adhar- 
baigan, Armenien und (dass Gebiet von) Mösul >). So- 
dann zog er von Mösul nach Süristan , d. i. das Sawäd ’), 
ergriff davon Besitz und erbaute am westlichen Ufer 
des Tigris gegenüber der Stadt Ctesiphon, welche die 



1) »König der Könige”, der alte Titel der Grossherrn im Tigrislande 
und in Irän. So heisst denn ArdaSir auf den Inschriften 
(gesprochen Sähän-Säh), während sein Vater P&bak da bloss als (0^*0 
(Sah) »König” bezeichnet wird und er sich selbst auf Münzen früherer 
Zeit nur noch »König” nennt. Die Regicrungszeit ArdaSlr’s wird von 
diesem Siege an gezählt, welcher wahrscheinlich in’s Jahr 226 fällt. 

2) Din. lässt den Hauptkampf in Medien bei Nihäwand sein (so Mugmil 
in j. as. 1842, II, 523); er nennt den König Ferruchän, einen Abkömm- 
ling (oder Sohn) des Ardawän. Jedenfalls verwirrt er hier einiges; doch 
ist immerhin möglich , dass Ferruchän wirklich einer der Söhne Artabän’s 
war, welche nach Dio Cassius a. a. 0. noch in Armenien gegen Ardaäir 
kämpften. Dass die Eroberung von Gross-Medien (Hamadhän [ZZ Ecbatana] 
»und das übrige Bergland”) nach der Niederwerfung Artabän’s Statt fand, 
berichtet Dio wie unsre Erzählung. Daran , dass dies nicht ohne schwere 
VerlÜste geschah , hat noch das Kärnämak eine Erinnerung bewahrt (S. 48 f.). 
Ob Ädharbäigän (das nordwestliche Medien Jtropatene) s. darüber zum 
Kärnämak 50) wirklich von ihm erobert ist, steht nicht ganz sicher. 
Die Einnahme vou Armenien mislang ihm noch, wie wir weniger aus 
den schrecklich übertreibenden Berichten der Armenier als aus Dio er- 
fahren. Die Gegend von Mösul hat er dagegen gewiss unterworfen. 

3) Süristan ist die pers. Uebersetzung von Beth-Aramäje »Syrerland” 
»Aramäerland”, wie grade die Gegend hiess, in welcher die Königstädte 
Ctesiphon und Seleucia lagen , denn eigentümliche Verhältnisse brachten 
es ja mit sich, dass die tränischen Grossreiche ihre Hauptstärke in die- 
sem fremden Lande hatten , das von Aramäem bewohn! war. Zu den 
Belegen , die ich Z. D. M. G. XXV, 1 14 f. über Belh-Aramäje gegeben habe , 
könnte ich noch viele andre fügen (so z. B. B üocpfioek bei Menander Prot, 
c. 11). Zu Süristän vrgl. noch Hamza 238. Auf einer leicht erklärlichen 
Verwechslung beruht es, dass der Chinese Hiucn Thsang » Sourasthäna" 
als Hauptstadt und nicht als Residenzland auffasste (Mem. sur les contröes 
occid. II, 178). — Saicäd, eigentlich »Ackerland”, ist mehr oder weniger 
identisch mit */rdy, »Babylonien”. 



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16 



Ostseite von Madäin bildet, einen anderen Ort, den er 
Beh-Arda§ir nannte '), theilte diesem einen Kreis zu, 
bestehend aus den Aemtem ! ) Behrastr ') , Rümakan , 
Nahar Darqit , Küthä und Nahar Gaubar *) , und stellte 



1) Al* Madäin »die Städte" (nicht, wie man oft erklärt findet »die 
lieiden Städte", denn es ist ein Plural, kein Dual) bezeichnet den ganzen 
Complex der Residenzstädte zu beiden Seiten des Tigris , deren wichtigste 
Ctesiphon (pers. und arab. Tesafün ; auch Tdsafün und mit anderen Ne- 
benformen) und Weh-ArdcHri Beh-Arda$ir (und mit andren Nebenformen) , 
d. i. das von ArdaSir neu begründete Seleucia , sind. Ueber diese Städte 
denke ich an einem andern Orte ausführlich zu reden. 

2) In ‘Irftq hiessen die kleineren Bezirke nicht ruttäk (S. 3, Anm. 2), 
sondern tasük , arab. tassüfi; ich habe daher auch in der Uebersetzung 
ein anderes Worte (»Aemter") gewählt. Tasük soll heissen */** (s. Mefätih 
al ‘olüm [cod. Leid.] 22» und Vullers s. v.). ‘Iräq zerfällt nach Ja‘qüb! 
in 48 solcher Aemter, nach Ibn Chordädhbeh 28 und Mqd. 133 in 60, 
was auch immerhin noch zu einer Eintheilung in »Vierundzwanzigstel" 
stimmte. Man muss beachten , dass der Orient. Staat die Aemter nur als 
Steuerbezirke im Auge hat. Bei dem einzigen wirklich reichen Lande, 
welches zu der Monarchie gehörte , Babylonien galt das noch in höherem 
Grade als bei den anderen Provinzen. 

3) Die arab. Form von Beh-Ardubir. Dass so , nicht Bahursir gesprochen 
ward , zeigen die Verse bei Jaq. s. v. Ausserordentlich häufig findet sich in 
Handschriften statt g e8C hrieben y^ Nahar Sir oder^jui y^ 
Nahar $fr, was sehr nahe lag, da viele dieser babylonischen Steuorbe- 
zirke mit Nahar »Canal" zusammengesetzt sind; aber falsch ist es doch. 

4) Nach Ibn Chord. 29 hiess der Kreis (in welchem die Reichshaupt- 
stadt lag, nach dem Reichsgründer) ArdaMr Päbagän ; er nennt diesel- 
ben 5 Aemter als jreine Bestandtheile. Dazu stimmt Qodäma in j. as. 
1862, II, 164. Die Eintheilung, wie sie hier gegeben wird , ist Übrigens 
nicht von ArdaSlr getroffen, sandera ist die der letzten Periode der- 
Säsäniden, wie sie denn auch von den Arabern übernommen wurde. 
Dies ergiebt sich u. A. aus dem Namen Rümakan , der, wenn nicht 
alles trügt, »die Römer" bedeutet und wie das arab. Rümija das von 
Chosran I für die gefangenen Römer angelegte Neu-Antioehia bezeichnet. 
Dieser Ort lag etwas weiter stromabwärts als Seleucia (s. Chesney’s 
Karte). Küthä , das schon 2 Kön. 17, 24, 30 vorkommt, ist wahrschein- 
lich das direct südlich von Seleucia am Habl Ibrähim liegende Teil 
Ibrahim ; der Name des Heiligen, den man frühzeitig mit dem Orte in 
Verbindung brachte, hat, wie in zahlreichen andern Fällen , dessen eignen 
Namen verdrängt. — lieber die beiden andern Aemter scheint schon 
Jäqüt nichts genaueres gewusst zu haben. — ln der Anschauung der 
Perser blieb Istuclir Uoickshauptstadt , vielleicht auch ofiiciell; aber fac- 



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17 



x 

Landpfleger ’) für sie an. — Dann zog er von Sawäd 
wieder nach Istachr, von dort zuerst nach Sagistan, 
dann nach Gurgan , dann nach Abraäahr *), Marw, Balch 
und Ch w ärizm bis zu den äussersten Gränzen der Län- 
der von Choräsän , worauf er nach Marw zurückkehrte *). 
Nachdem er viele Leute getödtet und ihre Köpfe nach 
dem Feuertempel der Anähedh geschickt hatte *), 
kehrte er von Marw nach Pars zurück und liess sich 
in Gör nieder/ Da kamen zu ihm Gesandte des Kö- 
nigs der Küään ®) , des Königs von Türän und des von 



tisch war das abgelegne and abgeschlossne Pärs damals so wenig zum 
8itz des Königs passend wie zur Achämenidenzeit; die wirkliche Haupt- 
stadt war Ctesiphon und zeitweise eine Stadt in Susiana (& unten). 
Uebrigens genossen die Bewohner von Pärs im Sfisänidenreich keineswegs 
die Bevorzugung wie unter den Achämeniden. 

1) Das arab. Wort l ämil »der da wirkt” ist vermuthlich eine directe 
Ceberoetzung des gleichbedeutenden persischen kärddr. 

2) Dass Ardaäir erst nach Eroberung der Tigrisländer und Mediens auch 
die östlichen Gegenden unterworfen habe, wird richtig sein. Sagistan 
( Sakaslän, jüngere Form Ststän) , das Land um den Zare - oder Hämün- 
See, hatte zur Hauptstadt Zarang , dessen eine Hälfte Ardaför erbaut 
haben soll Mqd. 305 sq. — Gurgan (Hyrcanien) ist bekanntlich das Land 
im Süd-Ost-Winkel des kaspischen Meeres , welches zu allen Zeiten einen 
Stötzpunct der Perser gegen die nordischen Barbaren abgab. — Abra&ahr 
ist der ältere Name für die Stadt oder eigentlich wohl den District des 
späteren Newääpür, (jetzt NiSäpür, arab. Nisdbür) ; hier, in der heutigen 
Provinz Choräsän, ist das Stammland der Parther. 

3) Hier ist schon stark übertrieben. Das Oasenland von Marw ( Margu , 
in Awestä Mouru) mag allerdings im Besitz Ardasir’s und vieler Säsäni- 
den gewesen sein; dahingegen ist die Oxusgränze, welche bei Fird. als 
die legitime zwischen Iran und Türän gilt, wahrscheinlich erst von 
Chosrau I erreicht. Balch ( Bahl , Bactra) war bis dahin Hauptsitz eines 
barbarischen Reiches (s. Anm. 5) und bis nach Ch w ärizm (dem reichen 
Lande an den Oxusmündungen , dem heutigen Chiwä) ist schwerlich je ein 
Säsänide gedrungen. Choräsän »der Osten” scheint hier auch Transoxanien 
zu umfassen, welches niemals Säsänidisch gewesen ist. Das Achämeni- 
denreich erstreckte sich auch nach Osten viel weiter als das Säsänidische. 

4) 8. oben S. 4. 

5) Diese Angabe rectificiert schon die von der Eroberung Bactr&’s, 
ohne dass sie an sieb richtig zu sein braucht. Denn die Ktäan sind eben 
das Volk, welches in Bactrien wohnte. Dort nennen sie das im Anfang 

2 



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18 



Mokrän >) mit der Erklärung ihrer Unterwürfigkeit. 
Hierauf begab sich ArdaSir von Gör nach Bahrain *) und 
belagerte den dortigen König Sanatruk *) , bis der sich 



des 8. Jahrhunderts geschriebne syrische »Buch der Gesetze der Länder” 
(Cureton, Spie. syr. 15, 10. 20, 9) und die Armenier Moses (z. B. 2, 2) 
und Faustus. Auch der Stelle Lagarde , Anal. syr. 207, 19 liegt eine 
verwirrte Erinnerung an dies Verhältniss zu Grunde (»Küsän und Bachl”). 
Abel-Römusat (Nouv. möl. as. I, 220 sq. 238) erkannte die Identität 
»der grossen Youei-chi”, deren König »Kouei-chouang" und deren 
Hauptstadt »Polo" ist, mit den Küään in Bahl, Bactra. Ich könnte auch 
einige arab. Stellen geben, doch erhellt aus diesen nichts genaueres über 
die geographische Lage des Volks. Zu identificieren haben wir damit 
die Bactrier, welche zur Zeit Säpür’s I als unabhängiges Volk erscheinen 
Treb. Pollio, Valerian c. 4, während sich aus Vopiscus, Aurelian c. 34 
und 41 nichts positives über die politische Stellung Bactriens schliessen 
lässt. — Die armen. Nachrichten über die Arsaciden (Parther, Pahlaw’s) 
in Bahl sind übrigens ohne Werth. 

1) Türdn (mit Teth) oder Tuärän Mqd. 24 ist durchaus zu unter- 
scheiden von Türän, dem Lande der Nordvölker. Jenes ist nach Ist. 176 
und anderen Geographen ein Theil des jetzt Balücistän genannten Landes 
mit der Hauptstadt Kozdär (ungefähr unter 28° nördl. Breitel, so ziem- 
lich das heutige Chanat Kelät. So gehört es mit Mäkurän (Abu Nu‘aim, 
Gesch. v. Ispahän, Cod. Leid. f. 23*; vrgl. Jaq., weicher IV, 906 sq. öinc, 
allerdings falsche, Etymologie Hamza’s Mäh-Kurän auführt; Makuran 
auch Geogr. des Moses Chor. ed. Patkanian S. 23) oder Mokrän , Mekrdn , 
dem öden Küstenlande, zusammen, und so sind beide Länder auch ver- 
bunden bei Scböos (s. Hübschmann, Zur Gesch. Armeniens S. 18; Pat- 
kanian zu Moses’ Geogr. S. 66), wo also nichts zu ändern ist. — Dass 
ArdaSir in Wirklichkeit diese Länder nicht beherrscht hat, folgt am 
sichersten daraus, dass sein Sohn Säpfir I sich selbst in der Inschrift 
von Hägt-äbädh den Titel »König der Könige von Iran und Nicht-Irän” 
giebt, seinen Vater aber nur als »König der Könige von Irän" bezeichnet, 
somit erklärt, dass erst er das Reich über die in der späteren Parther- 
zeit angenommenen Gränzen Iran’s erweitert habe. 

2) Die beiden Seiten des persischen Golfes bilden ein Gebiet. So oft 
sich die Perser aufschwangen und ihre Küste in feste Hand nahmen 
(z. B. noch unter den Sefiden) , haben sie auch nach der arab. Küste hin- 
übergegriffen. Gewöhnlich waren freilich umgekehrt ihre eignen Küsten 
in den Händen von Arabern, welche in der dortigen Gluth besser leben 
können und viel mehr Geschick zum Seewesen haben als die Perser. 

3) Der Name kommt mehrfach bei den Parthem vor. Es war 
also vielleicht ein parthisches Neben- oder Vasallenreich. Bei Salomo 
von Basra (Münchner syr. Hdschr. 88») heisst einer der Weisen aus dem 
Morgenlande »Hormizd, Sohn des Sanatruq”. 



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19 



in der äussersten Noth von der Mauer der Festung 
herabstürzte und umkam? Dann kehrte er nach Madäin 
zurück, blieb daselbst einige Zeit und krönte noch bei 
Lebzeiten seinen Sohn Sapür '). ' — Wie man erzählt , 
war in Alar, einem Dorfe in dem zum Küstenlande 
von Ardaälr-Churra gehörigen Gau Kuöaran eine Kö- 
niginn, welche göttliche Verehrung genoss und viel 
Reichthum und Soldaten besass; da bekriegte Ardaäir 
ihre Priester, tödtete die Königinn und erbeutete viel 
Geld und Schätze, die sie hatte *). — Er soll auch 8 
Städte erbaut haben, nämlich in Pars Ardaäir-Churra , 
d. i. Gör (I), Räm-Ardaälr (II) ä ) und Rew-Arda&tr (Hl) 4 ); 
in Ahwaz Hormizd-Ardaälr , d. i. „der Markt von 
Ahwäz (IV)" *); in Sawäd Beh-Ardaäir , die Weststadt 



1) Er soll sich za Andachtsübungen zurückgezogen und so noch einige 
Zeit gelebt haben Mas. II, 160. Mugmil (j. as. 1841, II, 525) lässt ihn 
in Istachr sterben. — Auf die Annahme Säpür's als Mitregenten bezieht 
man Münzen wie Bartholomaei I, 15; Thomas, Early- Sas. coins, tab. I, 
nr. 12. — Bis hierher ist die Erzählung von ArdaSir’s Thaten ziemlich 
einheitlich, wie denn auch Ja'qübl in ganz kurzem Auszug dies alles 
hat. Din. ordnet einiges anders, hatte aber denselben Bericht vor sich. 
Es folgen nun (sowohl bei Täb. wie bei Spr.) die Ergänzungen aus 
anderen Quellen. 

2) Die zweite Abschwächung des Kampfes mit dem Drachen, der hier 
zu einer Königinn gemacht ist; s. Kämämak 37. Für Alar hat der 
Pehlewt-Text Gular. 

3) Oben (8. 12) wird R&m-Arda$tr nur hypothetisch erwähnt. Hamza47 
erklärt , nicht zu wissen , wo diese Stadt gelegen. Nach dem Kärnämak 
gründete er aber eine Stadt Rdmän * ArtacK&r. — Ich füge zur be 
quemen Uebersicht römische Ziffern bei. 

4) Diese Form isti auch durch Syrer bezeugt; später Rehahr (arab. auch 
wohl Rdiahr geschrieben). Dies ist übrigens nicht das heutige RÜehr bei 
AbüSehr ( Rücel bei della Yalle III, 10, 6; vrgl. Niebuhr, Beschreibung 
v. Arabien 315), welcher Ort erst in der Portugiesenzeit eine gewisse 
Bedeutung erlangt zu haben scheint, sondern es lag viel weiter nach 
NW (s. Mqd. 453, besonders aber Ist. 116). 

5) 8. oben S. 13. Hier wird also der officielle Name nachgetragen , den wir 
auch im Talmud (B. b. 50«) und bei Syrern (Wright, Martyr. 10; Assem., 
Martyr. I, 41*; Assem., Bibi. or. III, I, 133 b ; Wright, Catal. s. Index 
s. v. u. s. w. ; zum Theil leicht entstellt) finden. Später zu Hurmusir zu- 
sammengezogen ; s. de Goeje zu Mqd. 406; Belädhori 383. 



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yon Madain (V) J ) und Astarabädh-Ardaäir , d. i. Karach 
Maiäan (VI) *); in Bahrain Pasä (?)-Ardaäir, d. i. die 
Stadt Chatt (VII) s ) und in (dem Gebiet von) Mösul 
Büdh-Ardaäir , d. i. Hazza (VIH) *). — Wie man ferner 
erzählt, schrieb Ardasir bei seinem ersten Auftreten 
eindringliche Briefe an die Theilkönige, in welchen er 
sein Recht nachwies und sie aufforderte, ihm zu ge- 
il S. oben S. 16. 

2) S. oben S. 13, Anm. 5. Astaräbädh schreiben Qot., Eut. und Jaq. ; 
Tab. und Spr. nur Astäbädh (oder wie auszusprechen ist). Die Form 
ist nicht ganz sicher. 

3) Ueber Chatt, s. Sprenger, Alte Geogr. Arabiens passim, bes. § 170 

Assem. III, I, 136 Ä ; 143 b ). Es ist der Küstenstrich von Bahrain, 
wo Qatif und ‘Oqair (»Adjeir”) liegen. Die erste Hälfte der pers. Benen- 
nung ist völlig unsicher. Hamza 47 sq. liest und erklärt batan\ ob das 
aber richtig ist, steht sehr dahin. Din. hat Fürän-Ardaltr. 

4) Hazza ist ein alter Ort neben Arbela, welcher als Sitz eines christ- 
lichen Metropoliten oft in den nestorian. Schriften genannt wird. Büdh 
steht nicht ganz sicher, doch hat so auch Hamza 47. Nicht unwahr- 
scheinlich ist übrigens, dass dieser Ort seinen Namen erst von Ardaäir II 
hat, welcher vor seiner Thronbesteigung vKönig von Hadjab” ( Adiabene , 
d. i. das Gebiet von Arbela) war Martyr. 1, 99 sqq. Davon hiess die 
Gegend von Mösul (Ibn Chordädhbeh 43 paen. nach der mir von de Goeje 
mitgetheilten handschriftlichen Lesart) Büdh (? die Handschrift hat 
Arda&rän. Ueberhaupt darf man diesen Nachrichten über die Städte- 
gründungen nicht die Bedeutung zuschreiben, welche sie zunächst zu 
verdienen scheinen. Die unglückliche Sitte , Orten und Landschaften 
nach Königen und Prinzen neue Namen zu geben , war bei den Säs&niden 
noch viel beliebter als bei den römischen Kaisern. Viele dieser Namen 
haben nur kurze Zeit wirklich Geltung gehabt, so dass die Späteren 
nicht wissen konnten , welcher Localität dieser und jener in der Ueber- 
lieferung aufbewahrte Name zukam; bei anderen Namen war es wenig- 
stens zweifelhaft, welcher von mehren gleichnamigen Fürsten den be- 
treffenden Ort »erbaut” habe. Dies »Erbauen” wird in den meisten 
Fällen nur die Aufführung einiger Gebäude oder Befestigungen sein. — 
Die Liste der Städte Ardaslr’s bestand bei Ibn Moqafla*, nach Eut. und 
Qot. zu Bchliessen , nur aus 6 Städten. Dieselben 6 scheint Fird. zu 
haben, aber mit den üblichen Ungenauigkeiten. Tab.'s Liste ist aus dieser 
durch Erweiterung und Veränderung entstanden. Aehnlich Din., während 
der gelehrte Hamza (dem Mu&mil in gewohnter Weise folgt) alles sam- 
melt, dessen er habhaft werden kann. Eine nähere Discussion würde zu 
weit führen. — Ueber andere dem Ardaäir zugeschriebno Anlagen s. 
Hamza 48; Jaq. IV, 527. 



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horchen «)• — Gegen sein Lebensende schrieb er für 
seinen Nachfolger sein Vermächtniss *). — Beständig 
war er rühm- und siegreich ; nie wurde sein Heer ge- 
schlagen oder sein Banner zurück getrieben *); alle 
Könige, welche sein Gebiet umgaben, bezwang und 
demüthigte er, und als Herr trat er in den Ländern 
auf. Er richtete Kreise ein und gründete Städte , setzte 
die verschiedenen Würden fest und sorgte für die Blüthe 
des Landes 4 ). — Seine Regierung währte, vom Fall 



1) Dies scheint eia kurzer Auszug aus Ibn Moqaffa* zu sein , nach 
welchem Qot. und Eut. Näheres geben. Der Brief ist wie ähnliches bei 
Ibn Moqaffa 1 (vrgl. manches bei Fird.) ein rhetorisches Product der spä- 
teren S&sänidenzeit. 

2) Diese Schrift war sehr berühmt; sie wird aber auch erst ein späteres 
rhetorisch-paränetisches Werk sein. 

3) Hier ist der Roman im Kärnämak und im Fird einmal historischer 
als der Historiker, da er zugiebt , dass ArdaSir wiederholt schwere Nie- 
derlagen erlitten hat. Von seinen Kämpfen mit den Römern wissen 
die Orientalen nichts; dieselben verliefen zwar anfangs günstig, zuletz 
aber ward er zurückgetrieben; so urtheile auch ich mit Tillemont nac 
Lampridius , Alex. Sev. 56 (vrgl. Eutrop 8 , 23 und dessen Ausschrei- 
ber) gegen Herpdian 6, 2. 

4) Gewiss nicht ohne Grund, aber sehr übertrieben gilt er als der 
eigentliche Gesetzgeber und Musterkönig. Er soll die Literatur in Flor 
gesetzt (Mugmil in j. as. 1839, I, 260; 1843, II, 419) und den Kalen- 
der fhßtgestellt (Bohturi bei Birüni 32) haben , und selbst die Einrichtung 
eines schlauen Spioniersystems wird ihm (Mirchond; vrgl. Fachri ed. 
Ahlwardt 28) zum besondem Verdienst angerechnet (so dem Dejoces 
Herod. 1 , 100 , dem dort Überhaupt die Einführung der Hofsitten u. s. w. 
im ganz ähnlicher Weise zugeschrieben wird wie bei Mas. dem Ar- 
daäir). Auch in den Resten der Pehlewt- Literatur wird er ähnlich beur- 
theilt. Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass die Hauptträger 
der Ueberlieferung die Priester waren, die in ihm noch weit mehr den 
Eifrer für ihren Glauben als den Reichsgründer feierten. Um so wun- 
derlicher nimmt sich nun eine* Geschichte bei Din. aus, auf die er in 
der Erzählung von Bahräm Ööbin noch einmal zurückkommt (eine leise 
Spur davon auch Fird. [Macan] p. 1845, 20 sq.), dass Ardaäir mit seinem 
Wesir Abarsäm nahe daran gewesen sei, sich zum Christenthum zu bekehren , 
und dass ihn nur der offne Widerstand des Heeres daran gehindert habe. 
Die Geschichte, in welcher Ardaäir als Zeitgenosse Christi gilt, ist viel- 
leicht von Gegnern der Dynastie erdichtet und steht nicht zufällig iu 
der Erzählung, welche deren bittern Feind Bahräm Ööbin verherrlicht» 



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